Oberösterreich verordnet: Hunde an die kurze Leine

12. Mai 2006, 13:35
56 Postings

Die Länge der Leine darf an belebten Orten nicht länger als eineinhalb Meter sein

Linz – „Täglich wird in Oberösterreich mindestens eine Person von einem Hund gebissen. Laut der aktuellen Statistik für das Jahr 2005 wurden von den 49.582 gemeldeten Hunden 382 aggressiv“ , informiert das Büro von SPÖ-Landesrat Josef Ackerl.

Für ihn ein Grund, das bestehende Hundehaltegesetz zu verschärfen. Die entsprechende Novelle wurde bereits im Unterausschuss mit Mehrheit abgesegnet, im Juni soll sie in den Landtag kommen. Wichtigste und empörende Neuerung: Die Länge der Leine darf mancherorts nicht länger als eineinhalb Meter sein, zudem müssen die Hunde einen Maulkorb tragen.

Petition gegen Gesetz

Für die in Oberösterreich bekannte Hundeexpertin Edith Kirchberger ist dies eine „Tierquälerei“. Um ihrem Protest eine Stimme zu verleihen, hat sie auf der Homepage hundehaltegesetz.at eine Unterschriftenaktion gestartet. Seit Samstag haben 227 Gegner unterzeichnet. Anstatt die Hunde in ihrer artgerechten Haltung einzuschränken, fordert Kirchberger, die Menschen besser über „das Verhalten und Denken der Hunde“ zu schulen.

Auch die grüne Landtagsabgeordnete Doris Eisenriegler, die im Unterausschuss gegen das neue Gesetz gestimmt hat, hält jenes „für einen Unsinn“. Eine generelle Leinen- und Maulkorbpflicht würde Unfälle nicht verhindern. Vielmehr sei das Verantwortungsbewusstsein der Hundehalter gefragt. Das sieht der zuständige Landesrat anders. Die Praxis habe gezeigt, dass die Leinenpflicht an Orten „mit einem erhöhten Gefährdungs- und Risikopotenzial für Mensch und Tier“ verschärft werden müsse. Deshalb soll in Oberösterreich die verkürzte Leinenpflicht plus Maulkorb in Kindergärten, Krippen, Schulen und Horten gelten sowie in Öffis, Freizeitparks und an Orten, an denen sich mindestens 50 Personen aufhalten. Sonst gelte: entweder an die lange Leine oder ein Maulkorb. Strafen bis zu 7000 Euro sind bei Missachtung vorgesehen.

"Einengen steigert Aggression"

Kirchberger findet die neuen Haltevorschriften „kontraproduktiv“. Das Einengen des Bewegungsfreiraumes des Hundes steigere nur die Aggression: „Durch ständiges Anleinen kommt das Tier in soziale Bedrängnis.“ Über die Konsequenzen eines vorübergehenden Festhaltens an einer kurzen Leine seien sich die Experten nicht einig, kontert Ackerl. Wenn als Ausgleich entsprechende Freiflächen zum Austoben für die Hunde existieren, sehen viele Tierärzte keine Probleme mit dem neuen Haltegesetz. So hat Ackerl die 274 Stellungnahmen der Bürgerbegutachtung auch nicht weiter verfolgt. „Ich hätte mir nur gewünscht, dass das neue Jugendgesetz, das voriges Jahr verabschiedet wurde, auf gleiches Interesse in der Bevölkerung gestoßen wäre.“ Zu diesem habe es nur 13 Einwendungen gegeben. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 10.05.2006)

  • Artikelbild
    foto: standard/newald
Share if you care.