Machland-Schleiereulen stehen vor Rauswurf

14. Mai 2006, 18:12
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Artenschutzprojekt für seltenen Vogel scheitert an Hochwasserschutz-Maßnahmen

Linz – Kennzeichen und Namensgeber ist der herzförmige Schleier über dem Gesicht, ihr gehört die Nacht und sie ist in Österreich unmittelbar vom Aussterben bedroht: die Schleiereule (Tyto alba). Im Machland ist jetzt ein Konflikt zwischen Naturschützern und Politikern rund um den seltenen Vogel entbrannt. Als Folge der Hochwasserkatastrophe im Jahr 2002 wurden im damals schwer betroffenen Machland entsprechende Hochwasser-Schutzprojekte gestartet.

Abriss der Nistplätze

Teil davon war auch ein spezielles Aussiedlungsprogramm für die Bewohner. Das Gesetz schreibt hier konkret den Abriss aller Gebäude, Scheunen und Hütten in den Überflutungsgebieten vor. Nur unter diesen Voraussetzungen lässt der Bund auch entsprechende Unterstützungsgelder für Absiedlungen fließen.

Der geplante Abriss von insgesamt sieben leer stehenden Holz-Scheunen treibt jetzt die Naturschützer auf die Barrikaden, da die Hütten einen idealen Lebens- und Brutraum für Schleiereulen darstellen. „Erstens braucht die Schleiereule zum Brüten ein Dach über dem Kopf, zweitens ist sie hochspezialisierter Mäusejäger – Scheunen und Hütten bieten da vor allem im Winter ideale Bedingungen“, so Robert Gattringer vom Naturschutzbund Machland-Ost im Standard-Gespräch.

Naturschützer blitzten ab

„Geplant war eigentlich, die Scheunen in Eigenregie auszuräumen und Nistkästen zu installieren. Der Abriss ist für uns unverständlich, vor allem weil alle Hütten im Falle eines Hochwassers ja geflutet werden können“, so Gattringer. Beim zuständigen Ministerium für Verkehr, Innovation und Technologie sind die Naturschützer vorerst aber einmal abgeblitzt: Das Projekt führe zu offensichtlich nicht vertretbaren Verlusten an Retentionsflächen, behindere Abflussvermögen von Hochwässern und wäre aufgrund seiner potenziell beispielgebenden Wirkung nicht zu befürworten.

„Da wird nur versucht, einfach mit Punkt und Beistrich den Gesetzestext umzusetzen. Der konkrete Fall muss aber individuell betrachtet werden und ich bin mir sicher, dass es eine andere Lösung geben kann – wir werden weiter verhandeln“, zeigt sich Wolfgang Heinisch aus der Umweltabteilung des Landes Oberösterreich optimistisch. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe, 10.05.2006)

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    foto: standard/josef limberger
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