Foffi sucht das Glück

4. Juli 2006, 21:39
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Zuseher sollen es unterhaltsam finden, wenn die nicht wahnsinnig kultivierte Frau sich in das Benimmkorsett zwängt

"Wissen Sie, es muss edel sein", erklärt Tatjana Gsell dem Porträtmaler. Nahezu unbekleidet sitzt sie Modell für ein Geschenk an ihren Bräutigam. Sie soll Prinzessin werden, doch die Mesalliance fordert Tribut: Sie muss Manieren lernen. Sie lebt von Öffentlichkeit, davon dass sie "bürgerliche Skandalnudel" genannt wird. Die Inszenierung des Imagewandels ist eine Sendung auf RTL 2 am Montag: "Tatjana und Foffi: Aschenputtel wird Prinzessin".

Ihr künftiger Gatte soll Foffi, Prinz Ferfried von Hohenzollern, heißen. Er ist Enkel des letzten Königs von Sachsen, deutscher Hochadel. Der 63-Jährige lässt sich gerade von seiner dritten Frau scheiden. Jene, die mit niedergeschlagenen Augenlidern neben ihm sitzt, als er von seiner Scheidung spricht, soll die Vierte werden.

Und die Zuseher sollen es unterhaltsam finden, wenn das Sinnbild der Unterschicht, die ordinäre, billige, nicht wahnsinnig kultivierte Frau, wie sie ihre Etikette-Trainerin beschreibt, sich in das Benimmkorsett zwängt, das sie als Adelige tragen soll.

Der blonden Offenherzigkeit mit schlechtem Geschmack und dem abgewrackten Adeligen zuzusehen, Notiz von ihren Hilfeschreien an die Öffentlichkeit zu nehmen, ihren Inszenierungen von Alltag zwischen Friseurbesuch und teuren Autos Sinn zu stiften, bedeutet - wie jeder Boulevard - aufgeregte Bewältigung von Differenz und Sinnkrisen im sozialen Zusammenleben. Es wäre leicht, das Gebotene zu ironisieren, lächerlich zu machen. Dieses Mal soll Tatjanas und Foffis Spiel nicht mitgespielt werden. (pum/DER STANDARD, Printausgabe, 10.5.2006)

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