Sanierung als Energiebremse

25. Jänner 2007, 12:28
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Viele ältere Häuser aus den 50er- bis 80er- Jahren können mit Know-how zu Passivhäusern umgebaut werden

In Österreich gibt es etwa 700.000 Wohnhäuser aus den 50er- bis 80er-Jahren, die - Wärmedämmung und Energieeffizienz betreffend - gemessen am State of the Art des Bauens nur als katastrophale Energievernichter beurteilt werden können. Etwa zwei Drittel davon sind Einfamilienhäuser.

Doch auch viele dieser weder alten noch neuen Gebäude können mit Know-how zu Passivhäusern umgebaut werden, was erste Feldstudien belegen. Laut der IG Passivhaus Österreich betragen die "durchschnittlichen Mehrkosten der Pilotsanierungen im Mittel nur 140 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche gegenüber konventionellen thermischen Sanierungen".

Eine Investition, die sich rasch amortisiert, wenn die Reduktion der derzeit drastisch steigenden Heizkosten um 95 auf fünf Prozent in die Berechnungen mit einfließt.

70 Prozent sanierbar

Die äußerst umtriebige IG Passivhaus schätzt, dass etwa "70 Prozent aller Nachkriegsbauten auf Passivhausstandard sanierbar" sind, und als routinierter Rechenmeister stellt IG-Sprecher Günter Lang auch gleich noch folgende weitgreifende Kalkulation an: "Durch die Nichteinhaltung des Kioto-Protokolls steuert Österreich derzeit auf eine 'Strafzahlung' für die Emissionsüberschreitung im Zeitraum 2008 bis 2012 von mindestens vier Milliarden Euro zu." Mit dieser nicht unerheblichen Summe könnten laut Lang 29 Millionen Quadratmeter Altbauten und damit rund 70 Prozent dieser Wohnbauten auf Passivhausstandard saniert werden.

Dadurch ergebe sich außerdem eine Reduktion der CO2-Emission von elf Millionen Tonnen, was, so Lang, "sogar die ursprüngliche Reduktionsmenge gemäß Kioto-Vereinbarung übersteigen" würde.

Erhebliche Verbesserungen

Freilich wird nun nicht jeder Häuslbauer sofort sein Haus komplett ummodeln wollen, doch angesichts der bereits erfolgten Sanierungen von Privathäusern könnte der eine oder andere durchaus auf den Geschmack kommen. Denn wie etwa das Beispiel eines 60er-Jahre-Bungalows aus Pettenbach (OÖ) demonstriert, hat der - im Übrigen mehrfach preisgekrönte - Umbau eine erhebliche Verbesserung der Wohn- sowie der Architekturqualität gebracht. Zudem sanken die Heizkosten von satten 2700 Euro jährlich auf läppische 200.

Doch auch andere Gebäudetypen lassen sich optimieren, derzeit wird etwa, unterstützt vom Programm Haus der Zukunft, ein Wohnhaus mit 50 Einheiten in Linz saniert, und die Haupt- und Polytechnische Schule in Schwanenstadt erhält ebenfalls gerade eine Aufrüstung.

Änderung der Förderpolitik gefordert

Die IG Passivhaus fordert nun, da bereits mehrere nachkalkulierbare Fallbeispiele vorliegen, eine rasche und innovative Änderung der Förderpolitik: "Die Tatsache, dass nach wie vor etwa 80 Prozent der Wohnbauförderung dem Neubau und nur 20 Prozent der Sanierung zugeteilt werden, darf nicht unberücksichtigt bleiben." Geht es nach den Kioto-Zielen, wäre mit einer kräftigen Förderung thermisch optimierter Sanierungen auch gleich allen gedient. (Ute Woltron, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.5.2006)

  • Eines der ersten Beispiele für die erfolgreiche Sanierung eines Wohnhauses zu einem Passivhaus: Im 60er-Jahre-Bungalow in Pettenbach werden nun pro Jahr 2500 Euro an Heizkosten gespart.
    foto: ig passivhaus

    Eines der ersten Beispiele für die erfolgreiche Sanierung eines Wohnhauses zu einem Passivhaus: Im 60er-Jahre-Bungalow in Pettenbach werden nun pro Jahr 2500 Euro an Heizkosten gespart.

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