Golf gräbt das Wasser ab

15. Mai 2006, 19:37
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Im Burgenland sollen drei neue Golfplätze entstehen - Umweltexperten warnen vor Schäden

Zurndorf – Das Burgenland wird demnächst mit drei neuen Golfplätzen beglückt: Güssing im Süden, Ritzing in der Mitte und Zurndorf im Norden. Der umstrittenste Standort ist Zurndorf, und zwar ausdrücklich nicht wegen mangelnder Geschäftsaussichten, denn die Nähe zu Wien und Bratislava wird als Garant für eine ausreichende Spielfrequenz gesehen.

Knackpunkt Bewässerung

Woran es sich spießen könnte, ist die Wasserversorgung. Der ursprüngliche Plan, die Bewässerung aus dem Uferfiltrat der Leitha zu speisen, scheiterte am Einspruch der Orts-SPÖ. Die Betreiber hatten sich, so Vizebürgermeister Patrick Horvath, einen Beitrag von 350.000 Euro für die sieben Kilometer lange Druckleitung gewünscht. "Wir sind für das Projekt, aber gegen eine Mitfinanzierung durch die Gemeinde."

Jetzt wird versucht, das Wasser vom Gelände des nahen Friedrichshofes zu beziehen. Immerhin rund 50.000 Kubikmeter im Jahr werden benötigt, was dem Durchschnittsverbrauch von zirka 340 Einfamilienhäusern entspricht – für burgenländische Verhältnisse eine große Siedlung oder ein kleines Dorf. Sollten auch die beiden anderen Golfplatz-Projekte in der Nähe realisiert werden – Halbturn und Gols – so käme dabei eine veritable Stadt heraus.

"Das", meint Bernhard Kohler vom WWF, "ist keine vernachlässigbare Menge." Golfplätze bräuchten eben eine extrem intensive Bewässerung, "passen einfach nicht in so trockene Gebiete".

Dabei verschärfe der Blick auf die Perspektive diese Einschätzung noch. Zwar könne man keine sicheren Prognosen über künftige Niederschlagsmengen abgeben, tendenziell aber müsse man sich in Mitteleuropa auf "mediterrane Verhältnisse" einstellen. Und das bedeute: "Wir brauchen eine radikale Umstellung der Wasserbewirtschaftung."

Ineffizienter Wasserverbrauch

Bisher hätten alle Maßnahmen darauf abgezielt, überschüssiges Wasser so schnell wie möglich wieder abzuleiten. In Zukunft müsse es umgekehrt passieren. Das Problem der Klimaerwärmung sei nämlich nicht sinkender Niederschlag, sondern dessen Konzentration auf wenige intensive Ereignisse, die in Ostösterreich zumeist durch ein Adriatief verursacht werden. Und genau solche Wetterlagen – zitiert Bernhard Kohler Helga Kromp-Kolb, Chefin des Wiener Meteorologischen Instituts und "Wissenschaftlerin des Jahres 2005" –, werden zunehmen. Dem müsse auch die Landwirtschaft Rechnung tragen, den Wasserverbrauch effizienter gestalten, "und vor allem auch nachvollziehbar kontrollieren". In den traditionellen Steppengebieten des Ostens – Parndorfer Platte, Seewinkel – ganz besonders.

In diesem Zusammenhang seien auch die Pläne für eine Zuleitung für den Neusiedler See zu sehen, die zurzeit heftig diskutiert werden. "Für den See", meint Kohler, "wäre eine Dotierung mit Fremdwasser und damit die Aussüßung tödlich." Aber der Grundwasserspiegel im Seewinkel – "es ist ja eine Stich-Pipeline nach Frauenkirchen geplant" – könnte davon sehr wohl profitieren. Nur: "Das Grundwasserproblem im Seewinkel liegt in der künstlichen Entwässerung durch Kanäle und Pumpwerke, nicht an der Dotierung." Ein Rückbau der Kanäle käme dann auch den, im Gegensatz zum See, tatsächlich von Austrocknung bedrohten Lacken zugute. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD Printausgabe, 10.05.2006)

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