40 Börsetage Zeit für formales Offert

28. Juni 2006, 14:18
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OMV führte vor Bekanntmachung Gespräche mit Übernahmekommission - Offizielles Angebot spätestens Ende Juli möglich

Wien - Die OMV hat nach der gestrigen Bekanntgabe, dass es Überlegungen gebe, ein Übernahmeangebot an die Verbund-Aktionäre zu machen, laut österreichischem Übernahmegesetz 40 Börsetage Zeit, um bei der Übernahmekommission ein formales Übernahmeangebot anzuzeigen. Dies könnte somit Anfang Juli der Fall sein. Nach der Prüfung der Angebotsunterlagen durch die Kommission dürfte es Mitte bis Ende Juli zu einem öffentlichen Übernahmeangebot an die Verbund-Aktionäre kommen.

Bei den Überlegungen der OMV nach § 5 Absatz 2 des Übernahmegesetzes handle es sich noch um kein formales Übernahmeangebot, betonte der Leiter der Geschäftsstelle der Übernahmekommission, Mario Gall, am Dienstag im Gespräch mit der APA. Die OMV habe vor der aktuellen Bekanntmachung auch mit der Übernahmekommission Gespräche geführt, sagte Gall, ohne Angabe von näheren Details.

Übernahmekommisssion muss Angebot prüfen

Die aus zwölf nebenberuflichen Mitgliedern und einer Geschäftsstelle bestehende Übernahmekommission ist bei der Wiener Börse, aber unabhängig von ihr und von der staatlichen Verwaltung, zur Durchführung der Aufgaben des Übernahmegesetzes (ÜbG) eingerichtet. Ihre Aufgabe besteht im allgemeinen darin, das gesamte Übernahmeverfahren eines börsenotierten Unternehmens zu begleiten, den Ablauf zu kontrollieren, und zu beurteilen, ob ein Pflichtangebot zu stellen ist. Erst wenn das Endergebnis des Angebotes feststeht, ist auch die Arbeit der Übernahmekommission beendet.

Generell müsse ein Bieter das konkrete öffentliche Angebot vor der Veröffentlichung bei der Übernahmekommission vorlegen, betonte Gall. Die Kommission habe dann elf Börsetage - das entspreche zumeist zwei Wochen - Zeit, die Angebotsunterlagen zu prüfen. Am zwölften Tag dürfe es dann veröffentlicht werden.

Sachverständigen-Bericht

Dem Übernahmeangebot sei auch ein Sachverständigenbericht anzuschließen, aus der die Richtigkeit und Vollständigkeit des Angebotes sowie die sichere Finanzierung hervorgehe. Dadurch könnte die Prüfung verkürzt werden. Da der Übernahmekommission insbesondere der Schutz der Minderheitsaktionäre am Herzen liegt, prüft sie unter anderem, ob der angebotene Übernahmepreis passt.

Die OMV hat angekündigt, der Preis würde den Preis der letzten Monate und gegebenenfalls auch eine kleine Prämie enthalten. Beispielsweise könnte sie sich dabei am Durchschnittskurs der Verbund-Aktien in den letzten sechs Monaten orientieren - dieser beträgt nach APA-Berechnungen knapp 338 Euro - und darauf eine Prämie schlagen.

Stellungnahme von Vorstand und Aufsichtsrat

Nach der Veröffentlichung des Übernahmeangebots müssen Vorstand und Aufsichtsrat der Zielgesellschaft - im konkreten Fall der Verbund - der Übernahmekommission eine Stellungnahme abgeben. Diese dürfe gleichzeitig veröffentlicht werden. Auch dieser Stellungnahme müsse ein Sachverständigengutachten angeschlossen werden, aus dem unter anderem hervorgehe, dass der Angebotspreis geprüft worden sei, so Gall.

Den Investoren der Zielgesellschaft müsse die Bietergesellschaft eine Annahmefrist von mindestens zwei Wochen bis maximal zehn Wochen geben, innerhalb der das Angebot angenommen werden könne. Danach müsse das Ergebnis bekannt geben werden. Im Anschluss könne - nach der ab 20. Mai geltenden neuen Rechtslage - eine Nachfrist von jetzt bis zu drei Monaten gesetzt werden, innerhalb der sich auch Nachzügler dem Angebot anschließen könnten. Sollte der Bieter für die Nachzügler freiwillig das Angebot verbessern, gibt es eine gesetzlich verpflichtende Nachzahlungspflicht für die Investoren, die das Angebot bereits zu einem günstigeren Preis angenommen haben.

Schlusspunkt der Arbeit der Übernahmekommission sei die Ergebnisbekanntmachung nach dem Ende der Nachfrist, so Gall. (APA)

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