Energiemonster Bürohochhaus

25. Jänner 2007, 12:28
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Wird beim Bau gespart, explodieren die Betriebskosten - Grüne wollen strengere Auflagen für Bürohäuser

Dieser Tage wurde in Kärnten das tausendste Passivhaus Österreichs fertig gestellt, was der Nation ein immer breiter gefächertes Energiebewusstsein in Sachen Bauen bescheinigt. Doch bei diesen Gebäuden handelt es sich fast ausschließlich um Einfamilien- und Wohnhäuser, und das "größte und wichtigste Thema im Bereich Energie und Bauen" steht, wie Christoph Chorherr (Grüne) betont, noch viel zu wenig im Zentrum der Niedrigenergie- und Passivhaus-Betrachtungen.

Energiefresser

Denn die bei Weitem größten Energiefresser auf dem Gebäudesektor sind Büro- und Dienstleistungsimmobilien, zumal jene, die mit großflächigen Glasflächen ausgestattet sind und auch schon bei geringen Außentemperaturen, durchaus auch im Winter, bei Sonnenschein aufwändig gekühlt werden müssen.

Chorherr: "Einer dieser Glaskobel benötigt etwa 200 kWh pro Quadratmeter und Jahr, während ein Passivhaus vergleichsweise mit 15 kWh auskommt. Das heißt: Ein einziges 20.000 Quadratmeter großes Bürogebäude verbraucht mehr Strom, hauptsächlich für die Kühlung, als alle in Österreich bisher realisierten Passivhäuser zusammen."

Chorherr will nun eine Initiative starten, um in den Bauordnungen Mindeststandards auch für Bürohäuser festzulegen. Während die Situation in Wohngebäuden durch die Auflagen für die Wohnbauförderung bereits einigermaßen auf Schiene ist, können Bürohäuser derzeit noch quasi beliebig errichtet werden, obwohl Niedrigenergie- bis Passivstatus im Bereich des technisch Machbaren liegen.

Horrende Betriebskosten

Die Zeche wird von den späteren Nutzern bezahlt, die teils horrende Betriebskosten zu berappen haben. Chorherr: "Was wir jetzt brauchen, sind Innovationsprojekte, anhand derer von Fachleuten gezeigt wird, wie's auch gehen kann. Das ist ein mega-globales Thema, denn auf der ganzen Welt wird derzeit die gleiche Art von Büroarchitektur errichtet, und das Land, das hier neue energieoptimierte Prototypen entwickelt, wird der ökonomische Kaiser von morgen sein." Auch das Programm "Haus der Zukunft" will sich künftig verstärkt dieser Thematik annehmen.

Um die Problematik in den Griff zu bekommen, müssen interdisziplinäre Teams gebildet werden. Es bedarf neben innovationsfreudiger Bauherren auch Architekten, Bauphysiker und Haustechniker, die gemeinsam Modelle planen und Simulationen durchführen.

Höherer Zeitaufwand macht sich bezahlt

Die Bauherrschaft ist dazu aufgerufen, langfristig zu denken. Denn auf die Lebensdauer eines Hauses umgelegt betragen die Herstellungskosten des Gebäudes nur einen geringen Prozentsatz, das meiste Geld geht in Wartung und Betriebskosten. Die energetische Optimierung kann über bauliche Maßnahmen wie intelligente Fassadensysteme, Abschattung, über Baumaterialien und sinnvolle natürliche Lüftungssysteme erfolgen.

Der erhöhte Zeitaufwand für gute Planung macht sich angesichts des Energieverschleißes von Vergleichsobjekten aber rasch bezahlt. Ein Beispiel: Die ursprünglich mit doppelter Fassade konzipierten Twin-Towers am Wienerberg wurden aus Spargründen mit einer einfacheren Glasfassade ausgeführt. Nun muss das Gebäude mit einer zweiten, innenliegenden Fassadenschicht teuer nachgerüstet werden. (Ute Woltron, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.5.2006)

  • Bei der Fassade gespart: Jetzt müssen die Twin Towers teuer nachgerüstet werden.
    foto: standard/andy urban

    Bei der Fassade gespart: Jetzt müssen die Twin Towers teuer nachgerüstet werden.

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