Wolfgang Ruttenstorfer

28. Juni 2006, 14:18
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Gefühle zeigt er selten, aber unter hart kalkulierenden Investoren präsentiert sich der OMV-Chef genauso souverän wie unter polternden Politikern

Wer seine Kindheit in einer Korneuburger Werkswohnung der Österreichischen Mineralölverwaltung - wie die OMV bis vor zehn Jahren hieß - verbringt, der will womöglich einen Lebensweg fernab von Erdöl und politischer Bürokratie einschlagen. Wolfgang Ruttenstorfer hat das Gegenteil getan: Der 1950 als Sohn eines Raffinerieangestellten Geborene hat sein ganzes Leben diesen beiden großen Themen gewidmet.

Schon als Wirtschaftsstudent arbeitete er an einer Tankstelle, seine Dissertation galt der Energiepolitik in Italien, danach trat er mit 26 Jahren in die OMV ein und arbeitete sich allmählich die Karriereleiter hinauf. 1992 kam der Sprung in den Vorstand: Finanzchef Viktor Klima ging in die Politik und Ruttenstorfer folgte ihm nach.

Fünf Jahre später war Klima Bundeskanzler und ernannte Ruttenstorfer zum Staatssekretär im Finanzministerium. Show und Charisma waren seine Sache nicht, aber der dreifache Vater erwies sich im Amt als der perfekte Beamte. Mit Hartnäckigkeit und diplomatischem Geschick gelang es ihm, den Wildwuchs an Beamtenprivilegien etwas einzudämmen und die Verwaltung zu modernisieren. Seine Budgetkürzungen waren ein zentraler Beitrag zu Österreichs Euro-Einführung.

Doch der Ausflug in die Politik währte nur kurz: Ende 1999 kehrte er als designierter Nachfolger von Richard Schenz in die OMV zurück, zwei Jahre später stand er an der Spitze von Österreichs größtem Industriekonzern.

Im persönlichen Stil weiterhin nüchtern, uneitel und verhalten, startete Ruttenstorfer nun die spektakulärste Konzernexpansion der österreichischen Wirtschaftsgeschichte. Von Süddeutschland bis in die Türkei übernahm er Tankstellennetze und kaufte die Mehrheit am rumänischen Ölkonzern Petrom. In wenigen Jahren verwandelte sich der verschlafene Staatsbetrieb zum Börsenstar, dem die Wiener Börse einen Großteil ihres Booms verdankt. Und der ehemalige Winzling ist heute ein viel beachteter Mitspieler in der globalen Ölbranche.

Gefühle zeigt er selten, aber unter hart kalkulierenden Investoren präsentiert sich Ruttenstorfer genauso souverän wie unter polternden Politikern. Und diese Mischung erweist sich fürs Öl- und Gasgeschäft als ideal, wo es stets um Geld und um Macht geht.

Der Einstieg in der Türkei dient der OMV vor allem dazu, den Boden für den Bau der strategisch wichtigen Nabucco-Gaspipeline zu bereiten. Und die nun geplante De-facto-Übernahme des Verbundkonzerns bringt seiner OMV zwar recht wenig Synergien, dafür aber einen verstärkten politischen Schutz vor zukünftigen Übernahmen durch die wahren Riesen der Ölbranche. Denn ein kühler Planer wie Ruttenstorfer überlässt nichts dem Zufall. (Eric Frey, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.5.2006)

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