Energieriese als erster Schritt zu Infra-Holding

28. Juni 2006, 14:18
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ÖIAG wäre Kernaktionär von "OMV-Verbund"

Vorgriff auf die Infrastruktur- Holding oder das endgültige Aus für die Standort-AG – ein mögliches Zusammengehen von OMV und Verbund zum teilstaatlichen Energieriesen Nummer 1 in Österreich wird sehr unterschiedlich bewertet. Klar ist, dass damit die Staatsholding ÖIAG – zumindest vorderhand – an Einfluss verliert. Denn übernimmt die OMV die Verbundgesellschaft, verwässert sich der Anteil des staatlichen 31,5-Prozent-OMV-Aktionärs ÖIAG auf ungefähr 25 Prozent.

Ob die ungeliebte Verstaatlichtenholding, die Finanz^minister Karl-Heinz Grasser am liebsten abschaffen würde, aufgewertet wird, indem die Republik ihr direkt am Wirtschaftsministerium hängendes 51-Prozent-Aktienpaket am Verbund in die ÖIAG einbringt, bleibt abzuwarten. Ein Anlauf, die ÖIAG quasi per Dekret abzuschaffen und in eine staatliche Infrastruktur-Holding namens "Standort- AG" umzuwandeln, ist jedenfalls im Februar 2005 gescheitert. Damals träumte die ÖIAG davon, Verbund, ÖBB, Asfinag Bundesforste und Bundes^immo^bilien unter ihre Fittiche zu bekommen und sie neben AUA, OMV, Post und Telekom Austria als Bereich Infrastruktur zu positionieren.

Der Hintergedanke dabei: Mit den Gewinnen aus OMV, Verbund, Post und Telekom ließen sich die ärgsten Löcher bei ÖBB und Asfinag stopfen und damit auch die immer bedrohlicher werdenden Budgetprobleme im Straßen- und Bahnausbau Maastricht-konform darstellen. Auch von Querfinanzierung zwischen Straße und Schiene war die Rede, ehe die Standort-AG – die am 1. Juni 2006 in Betrieb gehen sollte – ad acta gelegt wurde. Mit dem Energieriesen "OMV-Verbund" könnte nun ein erster Vorgriff auf eine Infra-Holding gelingen. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.5.2006)

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