Aktionäre zweiter Klasse

30. Juli 2006, 19:37
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Bei der Generali geht man nach dem Motto "Probieren wird man es wohl noch dürfen" vor - Von Claudia Ruff

Die Kleinaktionäre müssen wieder einmal aufpassen, nicht über den Tisch gezogen zu werden. Aktuelles Beispiel ist die österreichische Generali, der die italienische Mutter den Börsenrückzug aus Wien angeordnet hat und den Streubesitz von lediglich sechs Prozent mit bescheidenen 42,50 Euro je Aktie abfinden wollen. Getreu dem Motto, probieren wird man es wohl noch dürfen.

Dabei brauchen die Unternehmen die Anleger wie einen Bissen Brot: Im Idealfall holen sich die Firmen von den Aktionären Geld, um die Expansion zu finanzieren. Das können gute Zukunftsinvestments sein. Andere bedienen sich des Kapitalmarktes, um mit dem frischen Geld der Kleinaktionäre alte Schulden abzudecken und quasi deren Verluste zu finanzieren. Das ist weniger originell und mit viel Risiko verbunden. Und dann gibt es gut gehende Unternehmen, wie die Generali, die in Zukunft noch höhere Gewinne erwarten, ihre Kleinaktionäre daran aber nicht teilhaben lassen wollen. Ihnen wird die bisherige Treue mit einem (vorerst) kleinlichen Abfindungsangebot gedankt.

Was bei der Generali bitter aufstößt, ist der Umstand, dass der Weg einer Spaltung statt der Umwandlung gewählt wurde. Bei der Spaltung ist der österreichische Streubesitz schlechter gestellt, weil er, um zu einem höheren Abfindungsangebot zu kommen, bei der entscheidenden Hauptversammlung (HV) anwesend sein muss. Bei einer Umwandlung bekommt jeder Aktionär automatisch die Erhöhung. Die Generali spekuliert damit, dass es umso billiger wird, je weniger Aktionäre zur HV kommen. Obendrein wurde den Kleinaktionärsvertretern ein Gutachten präsentiert, in dem eigene Beteiligungen schlecht bewertet werden. Kleinanleger wie Aktionäre zweiter Klasse zu behandeln ist stillos, und einer Generali unwürdig. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.5.2006)

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