Generali-Kleinaktionäre drohen mit Schadenersatzklage

1. Juni 2006, 16:21
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Stille Reserven von 196,4 Millionen Euro sollen verschwiegen worden sein - Höheres Barabfindungsangebot beim Börsenrückzug gefordert

Wien - Die Generali will die Kleinaktionäre beim angekündigten Börsenrückzug aus Wien mit 42,50 Euro je Aktie abfinden. Nun haben aber Kleinaktionärsvertreter herausgefunden, dass stille Reserven aus den Beteiligungen in Höhe von mindestens 196,40 Mio. Euro oder 3,08 Euro je Aktie nicht in die Bewertung der von der Generali beauftragten KPMG berücksichtigt wurden. Die Generali war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Der Rechtsanwalt und Vertreter der Kleinaktionäre, Kurt Berger, hält ein Abfindungsangebot von 60 Euro je Aktie für realistisch und 65 bis 70 Euro für begründbar. "Sollte die Generali in den nächsten Tagen keine Ad-hoc-Meldung erstatten und zur Differenz Stellung nehmen sowie das Abfindungsangebot erhöhen, ist nicht nur mit einem gerichtlichen Barabfindungs-Überprüfungsverfahren zu rechnen, sondern auch mit Schadenersatzforderungen gegen die Organe der Generali", kündigte Berger an.

Allein aus der AHF-Beteiligung ergeben sich - im KPMG-Gutachten und in der vom Vorstand und Aufsichtsrat beschlossenen Barabfindung nicht enthaltene - stille Reserven von rund 116,4 Mio. Euro; was 1,83 pro Aktie entspreche. Die AHF dient unter anderem als Vehikel für steuerbegünstigte Erträge aus Veräußerungen von Beteiligungen. Zudem hält die AHF knapp 19 Prozent der Generali Amsterdam.

Ferner ist die Versicherung mit 49,30 Prozent an der Generali 3 Banken Holding beteiligt und hält mittelbar daher Beteiligungen an der Oberbank, BTV und BKS. Im Gutachten ist die Generali 3 Banken mit einem Bilanz- und Zeitwert von 30 Mio. Euro bewertet. Dieselbe Beteiligung ist im Jahresabschluss der Generali-Mutter aber mit einem Zeitwert (vor Minderheiten) von 60,6 Mio. Euro ausgewiesen, was in etwa dem Börsenkurs dieser Beteiligungen entspreche. Der faire Wert dürfte bei rund 70 Mio. Euro liegen. Dies ergebe weitere stille Reserven von 40 Mio. Euro.

Unter Wert

Von der Hypo Holding Linz gehören der Generali 25 Prozent. Diese hält wiederum mittelbar ein Paket von 6,2 Mio. Voest-Aktien. Durchgerechnet auf die Beteiligung der Generali dürften alleine im Voest-Paket stille Reserven von 27,5 Mio. Euro liegen. Weitere stille Reserven aus dem Wertpapierportfolio und aus Swap-Geschäften der Hypo-Holding-Gruppe werden noch ermittelt. "Unsere Einschätzung nach liegen diese jenseits von 40 Mio. Euro. Im KPMG-Gutachten ist die Hypo Holding dagegen nur mit einem Bilanz- und Zeitwert von 71 Mio. Euro bewertet.

Aufklärungsbedürftig sei, warum der Marktwert der Generali-Grundstücke von 282,7 Mio. Euro (2004) auf 250 Mio. Euro im Vorjahr gesunken sei, obwohl keine nennenswerten Verkäufe erfolgt seien. "Ob sich dies allein mit der derzeit nicht genutzten Immobilie am Schwarzenbergplatz (so die Erklärung der Generali) begründen lässt, ist zweifelhaft", argumentierte Berger. Die Generali ist auch mit rund 300.000 Stück Aktien (aktueller Börsenwert: 38,4 Mio. Euro) direkt an der Voest beteiligt. Das scheint im Bewertungsgutachten der KPMG überhaupt nicht auf, kritisiert Berger. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.5.2006)

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