Peter Hartz droht Haftstrafe

1. Juni 2006, 17:10
10 Postings

Ex-VW-Personalvorstand muss womöglich auch Schadenersatz zahlen

München/Hamburg - In der VW-Affäre droht Ex-Personalvorstand Peter Hartz laut einem Pressebericht eine Gefängnisstrafe. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wolle gegen Hartz eine Anklage wegen Untreue in mehreren Fällen erheben, berichtete das Magazin "Focus". Die Behörde habe ihre Ermittlungen nach zehn Monaten weitgehend abgeschlossen und stufe Hartz nach jetzigem Stand als einen der Hauptbeschuldigten ein. Laut Paragraf 266 des Strafgesetzbuches wird Untreue mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft.

Dem Magazin zufolge soll Hartz nach Einschätzung der Ermittler jahrelang Konzerngelder veruntreut haben - um Betriebsräte zu begünstigen, aber auch für das eigene Privatvergnügen. In einem Bericht des Landeskriminalamtes Niedersachsen heißt es demnach, es sei mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass Hartz "der hauptverantwortliche Initiator und Auftraggeber" der Braunschweiger Wohnung war, wo sich der damalige Personalvorstand und der frühere Betriebsratschef Klaus Volkert auf VW-Kosten mit Prostituierten vergnügt haben sollen.

Elf Fälle

Auch hätten die Staatsanwälte insgesamt elf Fälle auflistet, in denen sich Hartz etwa in Shanghai oder in Bratislawa ebenfalls auf Konzernkosten mit Prostituierten vergnügt haben soll. Überdies werfen ihm die Ankläger laut "Focus" vor, Zahlungen an die Volkert-Geliebte Adriana Barros in Auftrag gegeben und die Rechnungen stets abgezeichnet zu haben.

Hartz' Mitarbeiter Klaus-Joachim Gebauer hatte diese Ausgaben stets über das persönliche Spesenkonto von Hartz mit der Nummer 1860 abgerechnet, wie es weiter hieß. Den Ermittlungen zufolge soll Hartz mehrere zuständige VW-Mitarbeiter gezielt von der Kontrolle der Gebauer-Abrechnungen ferngehalten haben.

Schadenersatz

Nach einem Bericht des "Spiegel" könnten wegen der Affäre überdies millionenschwere Schadenersatzforderungen des VW-Konzerns auf Hartz zukommen. Das Magazin beruft sich auf ein VW-Aufsichtsratsmitglied, das eine Schadenersatzforderung von 2,5 Millionen Euro für realistisch halte. Der Gesamtschaden der von Hartz abgerechneten Lustreisen für Betriebsräte beziffert Volkswagen demnach mit rund vier Millionen Euro. Davon entfallen 1,5 Millionen dem Magazin zufolge auf die Untersuchungen der Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG, für die Hartz aber nur indirekt verantwortlich gemacht werden könne.

Im Aufsichtsrat sei aber umstritten, ob direkte Schadenersatzforderungen an den Ex-Vorstand gestellt werden sollten, hieß es weiter. Eine mögliche Variante sei, dass VW den Schaden zunächst von der D&O-Versicherung bezahlen lassen könnte, über die das Fehlverhalten von Vorständen abgesichert ist. Sollte Hartz verurteilt werden, müsste dann die Versicherung das Geld von ihm zurückfordern. (APA)

Share if you care.