Europäisches Sozialforum: Appell für Frieden nach Zusammenstößen

15. Juni 2006, 19:14
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Samstag: Zehntausende bei Demo in Athen - Sechs Verletzte und 17 Festnahmen bei Ausschreitungen - Anti-Kriegsproteste und Tag der Einwanderer angekündigt

Athen - Mit der Forderung nach einem sozialen Europa und der Ankündigung von europaweiten Anti-Kriegsdemonstrationen für den Herbst ist am Sonntag das Vierte Europäische Sozialforum in Athen zu Ende gegangen. In ihrer Abschlusserklärung begrüßten die Veranstalter die Ablehnung der Europäischen Verfassung in Frankreich und den Niederlanden im vergangenen Jahr und die jüngsten Studentenproteste in Frankreich gegen die Arbeitsrechtreform als "Zeichen der Hoffnung". Die Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan wurden verurteilt. Am Samstag hatten Tausende gegen den Irak-Krieg und eine militärische Eskalation im Iran-Konflikt protestiert.

Zusammenstöße mit der Polizei

Während einer Demonstration, an der nach Angaben der Organisatoren am Samstag rund 70.000 und nach Schätzungen der Polizei 15.000 Menschen teilnahmen, kam es zu heftigen Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Dabei wurden nach Polizeiangaben sechs Menschen leicht verletzt. Die Auseinandersetzungen legten Teile der griechischen Hauptstadt für Stunden lahm.

17 Randalierer wurden festgenommen und sollen vor Gericht gestellt werden, wie der staatliche griechische Rundfunk berichtete. Die Demonstration gegen die Folgen von Globalisierung, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Misshandlung von illegalen Einwanderern sowie gegen Krieg galt als die zentrale Veranstaltung des vierten europäischen Sozialforums, das seit Donnerstag in Athen tagte.

Molotow-Cocktails

Zu den Zusammenstößen kam es, als sich rund 250 Autonome unter die friedlich demonstrierenden Globalisierungskritiker mischten. Die Randalierer warfen Molotow-Cocktails auf die Bereitschaftspolizei, die das Hauptquartier der griechischen Polizei und die Botschaften der USA und Großbritanniens schützte. Sie steckten einen Polizeiwagen in Brand und zerschlugen zahlreiche Fensterscheiben von Banken, Hotels und Geschäften im Zentrum Athens. Rund 8.000 Polizisten wurden eingesetzt, um die Randalierer auseinander zu treiben und die friedlichen Demonstranten zu schützen. Das Sozialforum verurteilte die Aktionen der Randalierer auf das Schärfste.

An dem Sozialforum von Athen nahmen weniger Menschen teil, als am vorigen Treffen in London, wo rund 20.000 Globalisierungsgegner zusammengekommen waren. In Athen waren es etwa 15.000. Unter dem Motto "Eine Welt, in der viele Welten einen Platz haben" diskutierten die Teilnehmer unter anderem über Strategien gegen Globalisierung, Arbeitslosigkeit und die Zerstörung der Umwelt. Ein weiteres zentrales Thema war ein drohender Angriff auf den Iran.

Anti-Kriegs-Proteste und Tag der Einwanderer

Für Ende September planen die Teilnehmer des Sozialforums Anti-Kriegs-Proteste in europäischen Städten sowie einen Tag für Einwanderer am 7. Oktober. Außerdem wurden bereits Demonstrationen für das G-8-Treffen 2007 angekündigt. Der übernächste Gipfel der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G-8) findet in Heligendamm statt. Die Proteste sind in Rostock geplant. (APA)

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    Happening von Globalisierungsgegnern in Athen am Freitag

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    Brennendes Polizeiauto bei den Zusammenstößen in Athen

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