Das Festival der Motoren-Doktoren

10. April 2007, 23:39
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Im Brennpunkt des Wiener Motorensymposiums: Leicht skurrile Ansichten zum Klimawandel und die Hybrid-Allianz von GM, BMW und DaimlerChrysler

Das Wiener Motorensymposium hatte neben den obligaten motortechnischen Fachvorträgen heuer zwei Schwerpunkte aufzuweisen: Erstens den Klimawandel und zweitens den Trend in Richtung Hybridantrieb.

Ein wenig seltsam mutete es an, dass Ulrich Berner von der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover die Hauptursache für die steigenden Durchschnittstemperaturen auf der Erde nicht dem CO2-Ausstoß zuordnete, sondern der Sonnenaktivität. Außerdem hält er die Kioto-Ziele zur Eindämmung des CO2-Ausstoßes für viel zu wenig streng und damit für überflüssig. Dafür gab es kräftigen Applaus von der konservativen Riege der Motoreningenieure.

Technik schafft Vorsprung

Die Diskussion kam dann wieder etwas ins Lot (Einfluss des Verkehrs auf das Klima und Konzept einer nachhaltigen CO2-Reduktion), als die beiden nachfolgenden Vortragenden den CO2-Ausstoß für durchaus relevant erklärten und entsprechende Maßnahmen einforderten.

Tatsache ist auf jeden Fall: Es gibt keine bessere Garantie dafür, dass es sich auch künftig in Europa noch rentieren wird, Autos herzustellen, als den Technologievorsprung. Scharfe Abgas- und Verbrauchslimits erfordern jedenfalls hochwertige Technik, die etwa ein chinesischer Hersteller nicht so ohne Weiteres umzusetzen imstande ist.

Schwerpunkt Hybrid

Vor allem der amerikanische Markt erfordert die Entwicklung von Hybridantriebssystemen, also die Kombination von Verbrennungs- und Elektromotor zur Absenkung des Verbrauchs bei gleichzeitiger Verbesserung des Abgasverhaltens. Besonders bei sehr schweren Fahrzeugen, die dort sehr verbreitet sind, lassen sich die Verbrauchswerte durch die komplizierte Technik deutlich absenken. In der gehobenen Fahrzeugklasse ist auch preislich der Spielraum vorhanden, um den Aufwand unterzubringen.

Nachdem Toyota dort schon hunderttausende Hybridfahrzeuge verkauft hat (Toyota Prius seit 1999 und nunmehr auch den Lexus 400h) haben auch die Europäer und Amerikaner ihre lange Schrecksekunde überwunden und machen sich daran, Hybridautos anzubieten.

"Ganz neuer" BMW

Weil die Kosten für die Entwicklung sehr hoch sind, haben sich General Motors, DaimlerChrysler und BMW zusammengetan, um gemeinsam ein System auf den Markt zu bringen. DaimlerChrysler startet mit dem Dodge Durango, BMW mit "einem ganz neuen Auto", wie man sagt. Anzunehmen ist, dass es sich hier um den Nachfolger des Autobahn-Geländewagens X5 handelt. GM will den Hybridantrieb als Erstes in einen Cadillac einbauen.

Um die Kosten für das komplizierte Zusammenspiel von Verbrennungs- und Elektromotoren im Griff zu halten, hat man sich auch eine interessante technische Lösung einfallen lassen namens Two Mode Hybrid (Bild).

Einfacher Einbau

Im Grunde handelt es sich um ein spezielles Getriebe, das anstatt der herkömmlichen Wandler-Automatik eingebaut wird. Es enthält deutlich weniger Planetenradsätze, dafür aber zwei Elektromotoren, die je nach Bedarf das Motordrehmoment unterstützen. Auf diese Art und Weise ist der Einbau des Hybridmoduls auch in verschiedene Autos relativ einfach. Wie bei anderen Hybridantrieben wird auch hier die Bremsenergie zum Teil in Strom verwandelt. (Rudolf Skarics, AUTOMOBIL, 5.5.2006)

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Nachlese Österreichischer Verein für Kraftfahrzeug-Technik (ÖVK)
  • Vollhybridsystem von DaimlerChrysler, GM und BMW mit zwei Betriebsmodi für mehr Sparsamkeit auch bei höherem Tempo.
    foto: werk

    Vollhybridsystem von DaimlerChrysler, GM und BMW mit zwei Betriebsmodi für mehr Sparsamkeit auch bei höherem Tempo.

  • Der Dodge Durango - hier in der US-Ausführung - soll den Two Mode Hybrid für DaimlerChrysler auf die Straße bringen.
    foto: werk

    Der Dodge Durango - hier in der US-Ausführung - soll den Two Mode Hybrid für DaimlerChrysler auf die Straße bringen.

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