Das professionelle Meeting

14. Mai 2006, 19:47
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Führungskräfte: Wo Multitasking kontraproduktiv ist

Time is money - das wissen wir alle spätestens seit Dagobert Duck. Manche Führungskräfte entwickeln aus diesem Ansatz eine Multifunktionalität, die beeindruckend ist. Zuletzt konnte ich einen Topmanager dabei beobachten, wie er drei Besprechungen gleichzeitig abhielt: ein Strategie-Meeting mit seiner ersten Führungsebene, organisatorische Besprechungen mit seinem Sekretariat und eine telefonische Abklärung mit seinem Aufsichtsrat.

Über den Erfolg der letzten beiden kann ich nichts sagen, da ich nur beim Strategie-Meeting als Moderatorin dabei war. Dort sah ich große Enttäuschung und auch Verärgerung bei den anwesenden ManagerInnen: Denn der immer wieder kurzfristig abwesende Chef stellte Fragen, die für das Team bereits geklärt waren, konnte das positive Resümee des Meetings nicht nachvollziehen und stellte abschließend fest, dass man wieder einmal nicht weitergekommen wäre.

Damit hatte er Recht. Die Führungskräfte hatten sich extra von ihrem übervollen Terminkalender freigeschaufelt. Sie hatten sich für die Klärung grundsätzlicher Fragen Zeit genommen. Und sie hatten viele Ideen und Anregungen eingebracht.

Aber ihr Chef nahm sich keine Zeit, zuzuhören. Wenn Führungskräfte nicht die Zeit haben (wollen), an Lösungsentwicklungen konzentriert mitzuarbeiten, kommen sie und ihr Team nicht weiter.

Verbesserungsvorhaben versanden im Alltagsgeschäft, das Rad wird ständig neu erfunden, MitarbeiterInnen ziehen sich demotiviert auf das Allernotwendigste zurück.

Zeigen Sie professionelles Meeting-Behaviour, es geht dabei auch um Ihren Erfolg:

  • Sorgen Sie für eine mit allen abgestimmte, realistische Tagesordnung und dafür, dass diese im Vorfeld an alle TeilnehmerInnen verschickt wird.
  • Schenken Sie während des gesamten Meetings ihre ungeteilte Aufmerksamkeit allen TeilnehmerInnen. Multitasking ist dort fehl am Platz.
  • Fördern Sie eine angenehme Gesprächskultur, in der jeder ausreden kann und jedem zugehört wird und sich jeder möglichst kurz hält.
  • Sagen Sie gleich Ihre Meinung zum Thema - nicht hinterher. (Der Standard, Printausgabe 6./7.5.2006)
Sabine M. Fischer*

Sabine M. Fischer* ist Inhaberin der Symfony Consulting und akkreditierte Wirtschaftstrainerin. Symfony
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    foto: photodisc
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