Wunderbare Wunder-Waren

19. Juni 2006, 14:48
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Hilfe für Kinder statt Gewinnmaximierung? Das klingt wie ein Wunder. Und ist auch eins - vollbracht von Joachim Martin, dem Gründer von "kleine wunder"

Wundersame Dinge geschehen derzeit in unserem Land: Seit drei Monaten gibt es ein Unternehmen, das keinen Gewinn anstrebt. Vielmehr ist es das einzige Ziel der "kleine wunder Vertriebsges.m.b.H.", fünf österreichische Kinderhilfsprojekte zu unterstützen.

Warum? "Weil Kinder nicht nur zu Weihnachten Hilfe brauchen, sondern das ganze Jahr über", erklärt kleine wunder-Initiator Joachim Martin. Da man aber nicht erwarten könne, dass die Menschen jahraus, jahrein spenden, hat der Wirtschaftswissenschafter gemeinsam mit seiner Frau, Werbeexpertin Karin Torky, ein Konzept ausgeklügelt, das Alltagsprodukte mit einem sinnvollen Zusatznutzen verknüpft.

"Klopapier und Spülmittel, Milch und Mineralwasser gibt's in jedem Haushalt. Den meisten Konsumenten ist dabei völlig wurscht, welche Marken sie kaufen, Hauptsache, die Qualität stimmt", erklärt der ehemalige Brand Manager bei Procter&Gamble seine Überlegungen. "Wir haben uns also auf die Suche nach renommierten Herstellern gemacht, die uns Produkte quasi zum Selbstkostenpreis überlassen, die wir mit Gewinn an Handelspartner wie Bipa, Merkur oder Metro weiterverkaufen können."

Die Differenz zwischen Herstellungspreisen und Abgeltung durch die Handelsketten ergeht an die kleine wunder Vertriebsgesellschaft. "Natürlich handelt es sich jeweils nur um Mini-Beträge zwischen fünf und 76 Cent", erklärt Martin, "aber die Menge macht's." Und weil alle Administrations- und Personalkosten (sprich: Martins Gehalt) von der Allianz Elementar Versicherungs-AG getragen werden, fallen nur (noch) Werbeausgaben an - der Rest des Geldes geht zur Gänze an fünf Kinderhilfsprojekte: die möwe Kinderschutzzentren, Kinderseelenhilfe ProMente, Licht für die Welt, die Österreichische Kinderhilfe und die Roten Nase Clowndoctors International.

Mit Letzteren verbindet Martin, der selbst aus einer Familie mit sechs Kindern stammt, eine langjährige Geschichte: "Während meines Studiums in Australien habe ich die Rote Nasen Clowndoctors und ihren Red Nose Day kennen gelernt", erinnert sich der 33-Jährige. "Zurück in Österreich habe ich den Rote-Nasen-Tag auch bei uns organisiert."

Das genügte dem idealistischen Kinderfreund aber nicht, ebenso wenig wie die 230.000 Euro, die er für die Clowndoctors innerhalb von zwei Jahren erwirtschaftete: "Mit kleine wunder wollen wir im ersten Jahr eine Million Euro einnehmen, also 200.000 für jede der beteiligten Hilfsorganisationen." Den ersten Scheck über insgesamt 25.000 Euro konnte Martin schon nach fünf Wochen Marktpräsenz ausstellen.

Darüber hinaus will Martin die Marke mit dem Schmetterlingslogo "so etablieren, dass die Handelspartner langfristig dahinterstehen". Später könne man dann auch an eine Ausweitung der Produktpalette, die derzeit acht Artikel umfasst, und an die Aufnahme weiterer Hilfsorganisationen denken. Neue Handelspartner kommen laufend dazu, nächste Woche etwa Zielpunkt.

"Wissen Sie, meine Frau und ich waren zwei Monate in Kairo. Dort haben wir unsägliches Leid gesehen", erzählt Martin. "Ich wünschte, wir könnten auch diesen Kindern helfen. Vielleicht gelingt es uns, die Idee der kleinen wunder in andere Länder zu exportieren. Oder sogar quasi ein neues Wirtschaftssystem zu schaffen." Ehrgeizige Ziele, gewiss, aber bei so viel Idealismus - wen wundert's? (Der Standard, Printausgabe 6./7.5.2006)

Von Marie-Thérèse Gudenus

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Kleine Wunder
  • Artikelbild
    www.kleinewunder.at
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