Ein Blütenweg über die Voralpen-Höhen

5. Mai 2006, 18:05
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Das Mostviertel trägt seinen Namen zu Recht - ein Ausflug zu den Obstbäumen

Das Mostviertel trägt seinen Namen zu Recht, denn auf den Hängen und Höhen der Kuppen und Berge stehen zigtausende Birn- und Apfelbäume, deren Früchte zu dem beliebten Getränk verarbeitet werden, das nach Ansicht vieler Historiker schon von den Kelten geschätzt wurde. Im Frühjahr, wenn diese Bäume in voller Blütenpracht stehen, wandert man durch eine verzauberte Landschaft, deren Hintergrund die schneebedeckten Gipfel der steirisch-niederösterreichischen Kalkalpen bilden. Den Beginn der Blütenphase machen die vielen Dirndlsträucher (Kornelkirschen), die in manchen Gegenden ein Alter von mehreren hundert Jahren erreichen.

Hat man die Höhen erreicht, geht es von einem Aussichtsplatz zum anderen, immer wieder erfreut der Blick zum Ötscher, zu Schneeberg, Reisalpe und in die Täler.

Die Dorferneuerungsvereine Hofstetten/Grünau, Eschenau und Rabenstein aktiv haben eine kleine, interessante Broschüre über den Kaiserkogel herausgebracht, den man auf der Tour überschreitet und der zu den beliebtesten Voralpenbergen zählt. Aus dem Büchlein erfährt man viel Interessantes und Geschichtliches sowie (fast) alles über die Ewigen Tränen – jene kleinen Weiher, die angeblich vom Geist der Schöpfung stammen und zu denen auch die am Weg liegende Bärntal- Lacke zählt.

Auf dem Geißbühel wollen Heimatforscher eine keltische Druiden-Kultstätte entdeckt haben, was die Wissenschaft nicht bestätigt. Der Name des Berges dürfte sich aber vom keltischen gais ableiten, das "heilig" oder "tabu" bedeutet und einen Ort bezeichnet, der nicht von jedermann oder zu jeder Zeit betreten werden durfte.

Die Tour ist relativ lang und verlangt halbwegs gute Kondition. Ausgangs- und Endpunkt weisen gute Verbindungen mit der Bahn auf, weshalb die Streckenwanderung zu empfehlen ist.

Die Route: Vom Bahnhof Rotheau-Eschenausic! geht es ins Ortszentrum von Rotheau. Dann folgt man der roten Markierung, die über Ehreneckerhöhe in den Sattel der Meiselhöhe führt. Beim Anstieg über den "Hagelbauern" gelangt man zur Kaiserkogelhütte. Gehzeit 2¼ Stunden. Nun folgt man der roten Weitwandermarkierung 06 bzw. 652, die an den Fuß des Hirschkogels – wo sich die Ewige Träne befindet – und zur Geiseben führt. In der Folge gelangt man über Oberzögernitz zur Josef- Franz-Hütte auf dem Geißbühel. Gehzeit ab Kaiserkogel 2¼ Stunden.

Nun muss man ein kurzes Stück zurück, kurz vor dem Sattel hält man sich scharf links und wandert – teilweise auf Forststraßen – zur Ruine Rabenstein und in die gleichnamige Ortschaft, wo sich eine Station der Mariazellerbahn befindet. Gehzeit ab Josef-Franz-Hütte 1¼ Stunden.

Gesamtgehzeit 5¾ bis 6 Stunden, gesamter Höhenunterschied rund 800 m. Kaiserkogelhütte durchgehend bewirtschaftet (Dienstag Ruhetag), Josef-Franz-Hütte Wochenendbewirtschaftung. Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 55 (Ober Grafendorf) und 56 (St. Pölten) (Der Standard, Printausgabe 6./7.5.2006)

Von Bernd Orfer
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