Abstimmungsschlappe für WLAN-Entwurf

29. Mai 2006, 15:51
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Absegnung des zukünftigen Standards erneut ungewiss - WLAN-N-Geräte bereits im Umlauf

Der Weg zum zukünftigen Wireless-LAN-Standard 802.11n gestaltet sich weiterhin holprig. Nachdem sich die führenden Industrieunternehmen im Januar dieses Jahres endlich auf einen gemeinsamen Entwurf geeinigt hatten, fiel dieser bei einer weiteren Vorabstimmung der IEEE-Arbeitsgruppe nun überraschend durch. Bis zur endgültigen Ratifizierung, die für spätestens Mitte 2007 vorgesehen ist, bleibt zwar noch genügend Zeit und Spielraum, um den Entwurf zu überarbeiten. Prekär gestaltet sich die Situation aber insofern, da bereits eine Reihe von Anbietern wie Netgear und Linksys Geräte auf den Markt bringen, die auf dem ursprünglichen n-Entwurf 1.0 basieren.

Einschätzungen

Amerikanischen Medienberichten zufolge waren die Reaktionen auf die Abstimmungsschlappe geteilt. Während Chipzulieferer von Netgear und Linksys wie Broadcom oder Atheros keinen Grund zur Sorge sehen und weiterhin davon ausgehen, dass es keine radikalen Änderungen des Entwurfs mehr geben wird, sieht man bei Airgo Networks die Angelegenheit grundlegend anders. "Das Zurückweisen des 1.0-Entwurfs durch die Arbeitsgruppe unterstreicht, dass es den klaren Wunsch nach signifikanten Änderungen gibt", so Airgo-CEO Greg Raleigh in seiner ersten Reaktion. Die Abfuhr sei der Beweis, dass Entwurf 1.0 weitaus instabiler sei, als manche es in der Industrie wahrhaben wollten, so Raleigh.

Abwarten

Airgo-Konkurrent Atheros wies hingegen einer Aussendung darauf hin, dass es extrem selten sei, dass ein Erstentwurf auf Anhieb Zustimmung finde. Ein zu diesem Zeitpunkt geäußertes "Nein" bei der Abstimmung sei noch lange kein Indiz, dass es noch radikale Abweichungen vom vorläufigen Standard geben werde, so Atheros-CTO Bill McFarland. Auch der Marketing-Director von Broadcom, Bill Bunch, wollte gegenüber amerikanischen Medien nicht an weitgreifende Änderungen glauben: "Große technische Veränderungen sind unwahrscheinlich, da diese einer 75-prozentigen Zustimmung der Arbeitsgruppe bedürfen."

Verblüffung

Bei Netgear Deutschland zeigte man sich in einer ersten Reaktion gegenüber pressetext von der negativen Abstimmung überrascht, wollte aber auf jeden Fall am Auslieferungsplan der n-basierten Geräte festhalten. "Wir sind ja nicht die einzigen Anbieter der Branche, die den neuen Standard auf Basis des gemeinsam erarbeiteten Entwurfs implementieren", kann sich Netgear-Sprecher Karsten Kunert angesichts der bereits auf dem Markt existierenden Lösungen kein komplettes Zurück an den Start vorstellen. Er betonte zudem den technologischen Zeitvorteil, den Kunden durch den Zugang zu superschnellem WLAN ab sofort haben könnten. Der n-Entwurf stelle dabei die derzeit einzige Alternative dar, so Kunert. (pte)

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