Zweite Chance in Mellach

22. Juni 2006, 20:04
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Der Verbund hat sich nun entschlossen, die Ausschreibung in Sachen Gaskraftwerk Mellach zu wiederholen

Wien – Zurück an den Start heißt es beim Gaskraftwerk Mellach in der Steiermark, das der Verbund bauen will. Der Grund: Die vor der finalen Zuschlagsrunde stehende Ausschreibung wird gekippt und das Verfahren beginnt von vorne. Anlass für diesen ungewöhnlichen Schritt ist die Übernahme der VA Tech durch Siemens. Sie hatte zur Folge, dass Siemens für das Kraftwerk, dessen Gesamtinvestitionssumme von der Verbund-Tochter Austrian Thermal Power (ATP) mit 400 Millionen Euro beziffert wird, mit einem Schlag doppelt vertreten war: Einmal als Siemens AG Österreich, ein zweites Mal als VA Tech Hydro.

Offiziell getrennt

Da Siemens den kalorischen Kraftwerksbau aber nicht, wie ursprünglich geplant, an Andritz mitverkauft hat, sondern im Siemens- Reich behielt, wäre die logische Folge der Ausschluss beider Angebote gewesen, heißt es im Verbund. Da die beiden Unternehmen aber offiziell noch getrennt sind – für VA Tech Hydro galt bis zuletzt Hold Seperate", sie stand unter Kuratel des von der EU-Wettbewerbskommission eingesetzten Treuhänders – wäre laut einem Rechtsgutachter auch ein Ausschluss von Siemens und VA Tech problematisch.

Zurück an den Start

Um auf der sicheren Seite zu sein, hat sich der Verbund nun entschlossen, die Ausschreibung zu wiederholen. Man wolle sich außerdem nicht den verbliebenen zwei Anbietern – Ansaldo/Lurgi und Alstom – ausliefern, heißt es. Klagen seien übrigens gegen beide Varianten, sowohl den Ausschluss von Siemens VA Tech, als auch die neue Ausschreibung möglich. Für wahrscheinlich hält man sie jedoch nicht. Wann die neue Ausschreibungsfrist beginnt, ist offen, es sollte aber bald sein, um nicht allzugroße Verspätung zu bekommen bei dem Projekt, heißt es im Verbund.

Versorgungssicherheit bei Strom

Nicht so unsicher wie die Geschäftschancen beim Kraftwerksbau Mellach ist Österreichs Versorgungssicherheit bei Strom. Sie hängt aber massiv von Netzverbindungen in die Nachbarländer ab. Gravierende Probleme könnten sich nun durch ungarische Pläne ergeben, die Netzverbindung nach Österreich abzuschalten, um das eigene Stromnetz vor einem Zusammenbruch zu schützen, sagten am Donnerstag Klaus Kleinekorte von der RWE Transportnetze und Heinz Kaupa, Vorstand der Verbund-Netztochter APG bei einer Tagung der UTCE (Union for the Coordination of Transmission of Electricity), die die Interessen der Übertragungsnetzbetreiber in 23 europäischen Ländern koordiniert.

Steiermark-Leitung dringend nötig

Nun brauche es dringend den Lückenschluss des 380-kV-Höchstspannungsnetzes in der Steiermark, denn sonst würde es dunkel in Österreich, warnt Kleinekorte. Die ungarische Netzgesellschaft Mavir habe in Györ bereits eine Abschalteinrichtung errichtet. Österreich erfülle die Sicherheitsbedingungen der UCTE nicht, von europäischer Seite beobachte man daher mit "ganz großer Sorge". (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.5.2006)

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