Geldspritze könnte höher ausfallen

11. Mai 2006, 15:28
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Sollten die Risiken klar sein, könnten sich die Banken vorstellen, mehr als die 450 Millionen einzuzahlen, zu denen sie verdonnert wurden

Wien - Die großen Geschäftsbanken des Landes – Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), Erste Bank, Raiffeisen Zentralbank RZB und Volksbanken – haben sich von der Regierung dazu vergattern lassen, der Bawag eine 450 Millionen Euro schwere Kapitalspritze zu verabreichen. "Niemand von uns ist glücklich über diese Lösung, aber sie ist eben Teil des nationalen Schulterschlusses für die Bank", drückt ein Banker gegenüber dem STANDARD die Tatsache aus, dass die Freiwilligkeit der Teilnahmen an der Rettungsaktion für den Konkurrenten enden wollend war.

Nicht nur die "Krot"

Doch offenbar wollen die Banker (Bausparkassen- und Hypo-Sektor waren nicht für eine Teilnahme zu gewinnen) – flapsig formuliert – "nicht nur die Krot schlucken", sondern ihrem Investment ein wenig mehr Sinn verleihen. Im Raum steht dem Vernehmen nach eine Beteiligung, die letztlich über 450 Mio. Euro hinaus gehen könnte und die "auf jeden Fall auf die Mehrheit an der Bawag abzielt", wie in Bankerkreisen zu hören ist.

Ein fix-fertig geschnürtes Paket ist mangels Einigung auf die Details der Konstruktion jedenfalls weder am Mittwochabend noch am Donnerstag auf dem Tisch gelegen. Vor allem BA-CA und Erste Bank, die ja beide an der Börse notiert sind, wollten sich mangels konkreter Informationen über das Risiko, das sie mit ihrer Unterstützung an der krisengeschüttelten Gewerkschaftsbank eingehen, noch nicht festlegen.

Zusammensetzung der Geldspritze

Klar ist bisher nur, dass die Banker zu ihrem Hilfsversprechen "prinzipiell" stehen, und auch auf die Zusammensetzung der Geldspritze soll man sich inzwischen geeinigt haben. Demnach werden BA-CA, Erste Bank und RZB je hundert Millionen über den Tisch schieben, Volksbanken, und die Versicherungskonzerne Uniqa und Wiener Städtische jeweils 50 Mio. Euro. Von der Variante, gemäß dem Einlagensicherungsschlüssel einzuzahlen, ist man offenbar abgekommen.

Vor allem der Chef der Erste Bank, Andreas Treichl, soll sich mit dem bloßen Einzahlen von Besserungskapital (selbiges soll die gefährlich dünn gewordene Eigenkapitaldecke der Bawag verstärken ) nicht anfreunden können.

Als am Mittwochnachmittag die Bankenemissäre bei der Oesterreichischen Nationalbank tagten (die OeNB, unter Führung von Gouverneur Klaus Liebscher betreut und koordiniert das Hilfsprojekt Bawag) und ein Paketentwurf bereits auf dem Tisch lag, soll Treichl persönlich aufgetaucht sein.

Alternativvorschlag

Sein Alternativvorschlag: Sobald sämtliche rechtliche Risiken, die in der Gewerkschaftbank stecken, penibel geprüft sind und offen auf dem Tisch liegen, könnten die Geldgeber zusätzlich Kapital in die Hand nehmen und einschießen, um das Eigenkapital auf diese Weise gleich ordentlich aufzufetten. Dass damit "auf die Mehrheit an der Bank abgezielt" werde, wie kolportiert wird, wird in der Erste Bank aber "heftig dementiert". Eine solche Spielvariante hätte natürlich weit reichende Folgen, ist doch der ÖGB derzeit auf der Suche nach einem Käufer für seine Bank.

Langer Sitzungsreigen

Jedenfalls soll Treichls Vorstoß bei seinen Kollegen von RZB und BA-CA nicht auf pure Ablehnung getroffen sein. "Diese Idee wird analysiert; sie könnte mehr Sinn für die Bawag und ihre Investoren machen als die pure Besserungskapital-Variante", war zu hören. Die konkrete Folge für die Verhandlungen: So schnell wie geplant werden sie nicht abgeschlossen sein, mit einer endgültigen Einigung und Entscheidung dürfte frühestens in den kommenden Woche zu rechnen sein. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.6.2006)

  • Die Banken suchen nach rechtlicher Absicherung ihrer Bawag-Hilfszahlung.
    foto: standard/cremer

    Die Banken suchen nach rechtlicher Absicherung ihrer Bawag-Hilfszahlung.

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