Der Tod hat viel im Angebot – erste Salzburger Fachmesse wird eröffnet

5. Mai 2006, 20:15
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Vom 05. bis 07. Mai 2006 findet im MesseZentrum zum ersten Mal die internationale Messe "Quo vadis" statt. Dem Fachpublikum präsentieren 68 Aussteller aus fünf Nationen alles rund ums Thema Bestattung und Friedhof. Dass es dabei aber nicht unbedingt todernst zugehen muss, bewies das Pressegespräch im Stiftskeller St. Peter.

Am Donnerstag, 04.05.2006, lud Henrik Häcker, Geschäftsführer der MesseZentrum Salzburg GmbH, zum Gespräch über die Fachmesse "Quo Vadis". Die Messe findet erstmalig in Salzburg statt, und soll dem fachkundigen Publikum einen Überblick über die Bestatter-Branche liefern. Das Angebot reicht von Urnen aus Flüssigholz über Kranzbindemaschinen bis hin zu Friedhofsbaggern. Doch die Messe an sich stand weniger im Mittelpunkt des Infogesprächs, viel mehr lieferte der Umgang mit dem Thema Tod regen Diskussionsstoff.

"Der Tod ist normalerweise nicht öffentlich"

Christoph Feuerstein, Vorsitzender des Fachbeirates der Bestatter, wünscht sich mehr Offenheit in den Gesprächen rund ums Sterben: "Der Tod wird in unserer Gesellschaft aus dem Alltag verdrängt. Der Beruf des Bestatters genießt in Folge dessen keinen hohen Stellenwert. Dabei sehen wir immer wieder, wie wichtig ein würdevoller Abschied für die Angehörigen ist." Würde wahren und eine Fachmesse veranstalten ? lässt sich dies vereinbaren?

"Der Tod als Geschäft"

Alle Anwesenden sind sich einig, dass die Messe auf keinen Fall pietätlos wirken will, man dürfe aber nicht vergessen, dass das Bestattungswesen eben auch nur ein Wirtschaftszweig sei. "In der Sargindustrie beispielsweise herrscht seit der Liberalisierung des Marktes im Jahre 2002 ein internationaler Importdruck", meint Reinhard Moser, Geschäftsführer der Moser Holzindustrie GesmbH. Jährlich würden alleine in Österreich 74.000 Särge benötigt - deshalb diene eine Fachmesse wie "Quo vadis" auch zum Austausch österreichischer Hersteller und sichere damit indirekt Arbeitsplätze im Inland. ?Die Konkurrenz aus Billiglohnländern ist effektiv da und wir müssen daher mit optimalem Service und erstklassiger Verarbeitung punkten.?

"Hauptsache weg, egal wie? "

In Deutschland sei insbesondere in Ballungszentren, wie beispielsweise Berlin, eine Tendenz hin zur möglichst kostengünstigen Bestattung feststellbar. "Wissen?s, diese billigen russischen Entsorgungssärge sind schlechter verarbeitet als die Transportkisten für meine Maschinen im Betrieb", entrüstet sich Moser. Wirkliche Sorgen machen sich der Sarghersteller und die anderen Experten allerdings nicht, Österreich bleibe eben ein Land mit Bestattungskultur. Die österreichischen Kunden hätten sehr spezifische Vorstellungen, wie eine Bestattung abzulaufen habe und persönliche Beziehungen zu dem Bestatter vor Ort stünden immer noch hoch im Kurs.

"Grabsteine zu versteigern ist ein Novum"

Doch in Zeiten internationaler Märkte sorgen die österreichischen Bestatter vor. Vor allem das Internet dient hierbei zur raschen Informationssuche. "Es gibt sehr unterschiedliche ländergesetzliche Bestimmungen was die Bestattung anbelangt, da verliert man schnell den Überblick. Solche Dinge nachschlagen zu können, ist sehr hilfreich", meint Eduard Schreiner, Obmann des Fachverbands der Bestattung. Doch das Internet lässt sich nicht nur zur Infosuche bestens nutzen, wie das Auktionshaus Dorotheum Salzburg beweist. So ist seit Neuestem das Ersteigern von alten Grabsteinen über das Internet möglich. Dorotheum-Direktor Walter Sonnberger klärt auf: "Wenn sich niemand mehr um Gräber in den Friedhöfen der Stadt Salzburg kümmert, werden diese nach einer gewissen Frist aufgelassen. Die Grabsteine werden üblicherweise gelagert. Nun beschloss die Stadt, zahlreiche Steine durch unser Haus versteigern zu lassen." Das Geld ginge größtenteils an die Stadt zurück, auf Profit sei man allerdings nicht aus. Abschließend gibt Sonnberger noch einen Tipp mit auf den Weg: "Wenn Sie den Grabstein für sich verwenden möchten, würde ich allerdings empfehlen, das vorherige Todesdatum zuerst entfernen zu lassen.."

Das einsetzende Gelächter in der Runde beweist, dass die Thematik Tod und Bestattung trotz allen Respekts nicht immer todernst sein muss. "Bestatter sind eben auch gesellige und humorvolle Menschen. Sie wissen gar nicht wie viele Bestatter-Witze es gibt", bringt es Christoph Feuerstein, Vorsitzender des Fachbeirates der Bestatter, auf den Punkt.

weitere Infos über Bestattung:

Fachverband der Bestattung Österreich

Infos zum MesseZentrum Salzburg: MesseZentrum Salzburg

Infos zu Auktionen:
Dorotheum Salzburg
  • Blick auf den St. Peter Friedhof in Salzburg.
    simone schöpf/ redaktion

    Blick auf den St. Peter Friedhof in Salzburg.

  • Die "hohen Tiere" der Messe: Eduard Schreiner, Walter Sonnberger, Henrik Häcker, Reinhard Moser, Christoph Feuerstein (von links nach rechts).
    simone schöpf/ redaktion

    Die "hohen Tiere" der Messe: Eduard Schreiner, Walter Sonnberger, Henrik Häcker, Reinhard Moser, Christoph Feuerstein (von links nach rechts).

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