Vielstimmiges Plädoyer für eine "Akademie für Sprachkunst"

20. Oktober 2006, 10:21
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Autor Robert Schindel ist Obmann eines Proponentenkomitees, das als "Lokomotive" fungieren will - Derzeit Einrichtung einer Fachhochschule als wahrscheinlichstes Ziel

Wien - Eine vielstimmiges Plädoyer für eine "Akademie für Sprachkunst" hielten heute, Mittwoch, Nachmittag, einige Autorinnen und Autoren im Parlament. Das Projekt, das bereits seit etlichen Jahren verfolgt wird, zielt auf eine universitäre Ausbildung für Schriftstellerinnen und Schriftstellern ab. Dafür gibt es zwar etliche Idee, aber noch keinen akkordierten konkreten Umsetzungsvorschlag. "Wie so eine Sprachakademie angelegt werden, muss noch geklärt werden", machte die Zweite Präsidentin des Nationalrats, Barbara Prammer (S), klar.

"Gefühlsverblödung"

"Sprachverlust ist gleich Gefühlsverlust und Empfindungsverlust", sagte Autor Gert Jonke bei dieser "Kick Off-Veranstaltung" (Prammer), "Die Gefühlsverblödung, die momentan um sich greift, ist etwas ganz Schlimmes". Er forderte die Gründung einer Akademie der Sprachkunst "als Ausgleich zu den bestehenden Akademien der Bildenden Kunst".

Vorbild US-Universitäten

Christian Ide Hintze, der Direktor der "schule für dichtung", betonte, dass beinahe jede US-Universität eigene Departments für "Writing Studies" unterhalte und in Europa eine ähnliche Entwicklung stattfinde. "Das Thema der Lehr- und Lernbarkeit steht dabei längst außer Frage", die einigen tausend Teilnehmer der bisherigen Klassen der "schule für dichtung" (die parallel zur neuen Akademie weiter bestehen soll) zeigten deutlich die Nachfrage. Österreich sei von vielen Sprachen umgeben, der Bologna-Prozess zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes wäre ein Anlass, "die Sprachen, die Sprachkunst in unseren Mitte zu holen".

Großes Bedürfnis

Autor Robert Schindel ist Obmann eines als Proponentenkomitee agierenden Vereins zur Gründung einer "Akademie für Sprachkunst". Man habe "als Lokomotive" europaweit verschiedenste Modelle sondiert und sei nun "daran auszutesten: Was ist für uns das günstigste?" In der nächsten Phase seien Fachleute und Finanziers gefragt, um das Projekt tatsächlich "auf Schiene zu bringen". Orhan Kipcak, Professor für Mediendesign an der FH Joanneum, betonte, es gebe ein immer größeres Bedürfnis nach "zertifizierten Ausbildungen" auch im künstlerischen Bereich. Denkbar sei eine Einbindung in bestehende universitäre Strukturen, eine Neugründung oder die Einrichtung einer Fachhochschule. An den künftigen Projektleiter werde der Auftrag ergehen, besonders im Fachhochschulbereich zu sondieren, da dort entsprechende Voraussetzungen relativ rasch geschaffen werden könnten.

Auch Marianne Gruber, die Leiterin der Österreichischen Gesellschaft für Literatur, und die Autorin Sabine Scholl zählen zu den Proponenten. Die anwesenden Kultursprecher/innen von ÖVP, SPÖ und den Grünen, Andrea Wolfmayr, Christine Muttonen und Wolfgang Zinggl, unterstützten die Ziele des Projekts. (APA)

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