Russland: Amnesty beklagt zunehmenden Rassismus

7. Juni 2006, 16:32
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2005 wurden 28 Menschen aus rassistischen Motiven getötet

London - Die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) hat eine starke Zunahme rassistisch motivierter Gewalt in Russland beklagt. "Rassistische Übergriffe und die Tötung von Ausländern und Angehörigen ethnischer Minderheiten werden in Russland mit erschreckender Regelmäßigkeit registriert", heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten ai-Bericht. "Beunruhigenderweise scheinen diese Vorfälle zuzunehmen."

Viele Verberechen bleiben ungestraft

Im Jahr 2005 seien nach russischen Informationen 28 Menschen aus rassistischen Motiven getötet und 366 Menschen angegriffen worden. Die Dunkelziffer allerdings könnte deutlich höher liegen, da viele Opfer nicht wagten, die Übergriffe anzuzeigen. Außerdem würden Straftaten nicht entsprechend registriert.

Die Übergriffe würden häufig von gut organisierten Gruppen verübt, die einer rassistischen oder neofaschistischen Ideologie anhängen, heißt es in dem Bericht mit dem Titel "Russische Föderation: Gewalttätiger Rassismus außer Kontrolle". Wurden im Jahr 2004 ausländerfeindliche Gewalttaten noch aus 26 Regionen gemeldet, waren es 2005 bereits 36 Regionen. Nach offiziellen Erhebungen gibt es in Russland 150 "extremistische Vereinigungen" mit mehr als 5.000 Anhängern. Nicht-Regierungsorganisationen allerdings schätzten deren Zahl etwa zehn Mal so hoch.

Betroffen von rassistisch motivierter Gewalt sind laut ai-Bericht Studenten, Asylbewerber oder Flüchtlinge aus Afrika oder Asien ebenso wie Menschen aus dem Südkaukasus, dem Nahen Osten oder Lateinamerika.

"Diese gewalttätigen Übergriffe sind das sichtbarste Zeichen für die tief verwurzelte Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit in vielen Teilen der russischen Gesellschaft", erklärte ai-Generalsekretärin Irene Khan. So sei es für Menschen von nicht-slawischer äußerer Erscheinung 21 Mal so wahrscheinlich, bei Kontrollen in der Moskauer U-Bahn nach Ausweispapieren gefragt zu werden. (APA)

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