Kameras nun auch im Haupthaus

8. Mai 2006, 21:18
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Auktion historischer wissenschaftlicher Instrumente im Dorotheum

Wien - Ins tiefste Mittelalter führt das Titelobjekt der am 8. Mai im Dorotheum zur Auktion gelangenden Auswahl historischer wissenschaftlicher Instrumente: ein silberner, teils vergoldeter, mit floralen Gravuren verzierter "Bisamapfel". Die aufklappbare Kugel wurde ehemals mit exotischen Kräutern und Duftstoffen wie Moschus, Zimt, Muskat oder Rosmarin gefüllt und diente zur Prophylaxe und Therapie gegen Ansteckung und Krankheit, etwa bei Pestepidemien, worauf auch die volkstümliche Bezeichnung Pestkugel verweist.

Ab dem 12./13. Jahrhundert zierten sie Hals-und Gürtelketten, bisweilen auch Rosenkränze (Paternosterkugel). Nur wenige Exemplare haben die Jahrhunderte überdauert, öfter findet man sie auf Gemälden. Im Inneren sind die kostbar gearbeiteten Duftkugeln zumeist in sechs Segmente unterteilt. Die aktuell im Dorotheum für 2.000 bis 3.000 Euro angebotene verfügt über acht beschriftete Kugelabschnitte: Canet (Zimt), Moscat (Muskat), Rosen, Schlag (Schlagbalsam; Riechsalz), Rüten (Pflanzenart), Anbar (Ambra, eine Substanz aus dem Verdauungstrakt des Pottwals), Negelken (Zimtnelken) und Curonen (Zitrone). Die kulturhistorischen Wurzeln solcher Riech- und Duftkugeln liegen im Orient. Kreuzfahrer brachten sie ins Abendland, und hier avancierten sie wie hochwertige Schmuckstücke zu regelrechten Statussymbolen. Schon deshalb, weil die exotischen, aus fernen Ländern importierten Inhaltsstoffe Zeugnis über die Bildung und Weitläufigkeit des Besitzers zeugten. Die dem Bisamapfel zugeschriebene Heil- und Schutzfunktion bleibt dem Aber- und Wunderglauben vorbehalten - heute bedient er als Rarität nur eine spezielle Sammlerklientel.

Zu den anderen Highlights gehören, neben Kuriosa wie zwölf Materialgläsern aus dem k. k. Nationalfabriksproduktenkabinett aus dem ersten Viertel des 19. Jahrhunderts (400-800 Euro), etwa ein seltener Himmelsglobus von Isaak Haabrecht (13.000-16.000 Euro) oder eine horizontale Tisch-Sonnenuhr aus dem Jahr 1764 (8.000-9.000 Euro).

Eine Premiere feiert die Sparte Fotoapparate und Zubehör, die bislang in Favoriten versteigerten Objekte werden nun zwei Mal jährlich im Haupthaus angeboten. Der aktuelle Umfang beläuft sich auf knapp 100 Positionen, deren Rufpreise zwischen 150 und 650 Euro liegen. (kron/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.5.2006)

  • Die Duftkugel stammt aus dem 17. Jahrhundert.
    foto: dorotheum

    Die Duftkugel stammt aus dem 17. Jahrhundert.

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