Ein Schiff wird kommen

23. Jänner 2007, 14:37
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In einem kleinen Restaurant in der Wiener Biberstraße betätigt sich der Wirt des "Panigl", Toni Buzancic, als durchaus talentierter Fischkoch - aber nur, bis die Ablöse aus Split eintrifft

Glaubt man dem Geschäftsschild, dann verfügt die Weinbar "Enrico Panigl" in der innerstädtischen Schönlaterngasse über Zweigstellen in Triest und Marienbad. Das klingt nach schwermütiger Monarchie-Schwärmerei, zumindest im Falle Marienbads aber besteht Besitzer und Szene-Urgestein Toni Buzancic darauf, dass es in dem tschechischen Kurort tatsächlich ein Etablissement gleichen Namens gäbe. Soll sein.

Zweifellos hat hingegen vor wenigen Wochen in der kaum 200 Meter entfernten Biberstraße ein Schwesterlokal des "Panigl" eröffnet. "Barka" heißt das kleine, dalmatinische Fischrestaurant, das in Hinkunft von Tonis Frau Sania betrieben werden soll. Einstweilen freilich steht Toni selbst jeden Abend im Lokal - genauer in der Küche. "Mein Koch kommt aus Split und hat derweil noch keine Arbeitsgenehmigung", erklärt er, "das sollte aber jeden Moment passieren - bis dahin koche ich."

Diesen Anblick freilich wollen sich befreundete Gastronomen aus reiner Schadenfreude nicht entgehen lassen, weshalb die Bar des Hauses ab dem frühen Abend mit führenden Vertretern der kroatisch-italienischen Ristorante-Camarilla besetzt ist, die sich an "Koch Toni" ergötzen und nach allen Regeln der Kunst das Maul zerreißen.

An dem, was aus der Küche kommt, kann es freilich nicht liegen: Buzancic ist selbst aus Split gebürtig, da wird einem das Wissen um die richtige Behandlung von Fisch, Muscheln und Krustentieren offenbar in der Muttermilch übermittelt. So macht die Fischsuppe "Barka" dem Namen des Lokals alle Ehre, sie ist aromatisch dicht, mit reichlich Fisch, Muscheln, Garnelenstücken und duftet ebenso verführerisch wie nachhaltig nach Knoblauch und Weißwein.

Verschwenderischer Einsatz von Knoblauch

Überhaupt, der Knoblauch. Sein verschwenderischer Einsatz gehört zu den Stereotypen, die einem zum Thema Balkan stets vorgesetzt werden, im "Barka" werden sie eindrucksvoll bestätigt: Die gemischten gegrillten Muscheln, eine attraktive Kombo aus Mies-, Sandklaff- und einer Jakobsmuschel, haben davon ebenso reichlich abgekriegt, wie der wunderbar mürbe, saftige Oktopus-Salat mit marinierten roten Zwiebeln und Cocktailtomaten oder das gegrillte Gemüse auf dem eher durchschnittlichen Antipasti-Teller.

Bei den Hauptspeisen wird es richtig spannend. So dürfte das "Barka" der einzige Platz in der Stadt sein, wo man eine original dalmatinische "Pasticada" verkosten kann, jenen aufwändig marinierten und gespickten, geschmorten Rindsbraten in dichter, dunkler Rotweinsauce mit Dörrzwetschgen. Beeindruckend auch die "Garbinada", ein irrwitziger Fischeintopf mit reichlich Gemüse, Kartoffeln, Unmengen von Olivenöl und zumindest zwei Fischen, für den man auch mindestens zu zweit sein sollte. Je nach Personenanzahl (und Stammgastfaktor?) wird der tolle Topf mit verschiedensten Edelfischen und Krustentieren aufgefettet.

Die kleine Weinkarte ist ein durchaus gelungener Mix aus teils hervorragenden kroatischen Gewächsen wie dem großen Plavac von Ivan Dolac aus Hvar und bewährten Österreichern zwischen Markowitsch und Prager. Sehr guter Espresso, teuflische Grappa.
(Severin Corti/Der Standard/rondo/05/05/2006)

Fotos: Gerhard Wasserbauer

Barka
Biberstr. 12
1010 Wien
Tel.: 01 / 92 56 335
Mo-Sa 12-15 und 18-23 Uhr
VS € 3,50-13,50
HS € 9,70-21
  • Artikelbild
    foto: gerhard wasserbauer
  • Muscheln vom Grill und ...
    foto: gerhard wasserbauer

    Muscheln vom Grill und ...

  • ... der spannende Fischeintopf Gabarinda.
    foto: gerhard wasserbauer

    ... der spannende Fischeintopf Gabarinda.

  • Szene-Urgestein Toni Buzancic kann auch kochen.
    foto: gerhard wasserbauer

    Szene-Urgestein Toni Buzancic kann auch kochen.

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