Die Träume der Japanerinnen

7. Mai 2006, 17:30
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Von Chieko Yamasaki und Tomo Morimoto, die am Sonntag den Wien-Marathon laufen

Wien - "Morgen, Mittwoch, um 11 Uhr stehen die japanischen Marathonläuferinnen Chieko Yamasaki und Tomo Morimoto mit Trainer Yutaka Taketomi für erste Fragen und Fotos zur Verfügung." Und also fand man sich im Gästehaus des Sportcenters Donaucity in der Arbeiterstrandbadstraße 128 ein, um mit Yamasaki, Morimoto und Taketomi zu plaudern - und vor allem mit einer Dolmetscherin.

Yamasaki (28 Jahre/155 Zentimeter/44 Kilogramm) aus Okayama und Morimoto (22/165/45) aus Hyogo sind "gut in Form" und am Sonntag beim Vienna City Marathon zu favorisieren. Sie rennen den jeweils zweiten Marathon. Yamasaki war im Vorjahr in 2:27:22 Stunden Sechste in Nagoya, Morimoto heuer in 2:27:46 Stunden Fünfte in Osaka. Zum Vergleich: Der Weltrekord der Britin Paula Radcliffe lautet 2:15:25, Dagmar Rabensteiners österreichischer Rekord 2:34:35.

Bei dem in der 630.000-Einwohner-Stadt Okayama ansässigen "Tenmaya Track & Field Club" sind Yamasaki und Morimoto Teamkolleginnen und also Angestellte des Tenmaya-Konzerns, der Kaufhäuser, Golfplätze, Hotels und Restaurants besitzt. Eines der Restaurants liegt in der Krugerstraße im ersten Wiener Gemeindebezirk, hier hat die Dolmetscherin jahrelang gearbeitet.

Der Marathon, speziell jener der Frauen, ist in Japan äußerst populär. Unzählige Mädchen eifern Naoko Takahashi und Mizuki Noguchi nach, den Olympiasiegerinnen 2000 und 2004. "Ich will so sein wie sie", sagt Yamasaki, "ich will große Wettbewerbe gewinnen. Davon träume ich." Nur die Talentiertesten und Besten werden vom Verband oder von der Firma ins Ausland geschickt. Dafür legen sie im Trainingsschnitt 800 bis 1000 Kilometer im Monat zurück. Yamasaki: "Im April waren's 1200, das ist schon heftig."

Die Tage vor dem Wien-Marathon sind vergleichsweise erholsam, leichtes Jogging steht auf dem Programm. Sightseeing hat Trainer Yutaka Taketomi (51), der selbst eine Bestzeit von 2:11:27 hatte und 1980 Neunter des Fukuoka-Marathons war, strikt untersagt. Doch Yamasaki und Morimoto dürfen noch bis Mittwoch in Wien bleiben, Schönbrunn wird sich schon ausgehen. Auch davon, sagt Chieko Yamasaki aus Okayama, hat sie geträumt. (fri, DER STANDARD Printausgabe 04.05.2006)

  • Chieko Yamasaki (li) und Tomo Morimoto eifern großen Vorbildern nach.
    fotos:der standard

    Chieko Yamasaki (li) und Tomo Morimoto eifern großen Vorbildern nach.

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