Kopf des Tages: Joachim Hunold - Selfmademan fliegt an die deutsche Börse

1. Juni 2006, 14:11
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Am Freitag wagt Air Berlin, mit 24 Prozent an Niki Laudas Airline "flyniki" beteiligt, den Flug aufs Börsenparkett

Sollte Joachim Hunold am Freitag von Berlin aus einen Flug nach Frankfurt vorhaben, so kann er dazu nicht ein eigenes Flugzeug nehmen. Berlin–Frankfurt, diese begehrte Strecke hat Air Berlin noch nicht im Programm. Egal, am Freitag steht am Main ohnehin viel Größeres auf dem Programm: Air Berlin, zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft nach der Lufthansa und mit 24 Prozent an Niki Laudas Airline "flyniki" beteiligt, wagt den Flug aufs Börsenparkett.

Genauso wie man "Niki" in Österreich vor allem mit dem Kopf des Chefs verbindet, steht der 56-jährige Hunold für den Steilflug von Air Berlin. Als er 1991 die amerika^nische "Air Berlin Inc" übernahm und die "Air Berlin GmbH & Co Luftverkehrs

KG" gründete, gab es zwei Flugzeuge und 150 Mitarbeiter. Air Berlin war hauptsächlich als "Mallorca-Bomber" bekannt. Heute aber lassen 2700 Mitarbeiter 56 Flugzeuge weltweit in die Luft gehen.

Möglicherweise wäre es nicht so weit gekommen, hätte Hunold fleißiger Jus studiert. Doch das Kellnern in der Düsseldorfer Altstadt hat ihn so abgelenkt, dass er durch das Examen rasselte. Berufspilot konnte er wegen einer Sport 2. Spalte verletzung nicht werden, also lernte er die Fliegerei zunächst von ganz unten kennen. Ab 1978 arbeitete Hunold als "Ramp-Agent" am Düsseldorfer Flughafen. Es folgten Jahre als "Mädchen für alles" beim Ferienflieger LTU, bis er dort Marketing- und Vertriebsdirektor wurde.

Ein wahrer Selfmademan ist der Rolling-Stones-Fan also, und dass man ihn bei Air Berlin launig "den Achim" nennt, soll nicht heißen, dass er nur

Freunde hat. "Ich habe nichts gegen Gewerkschaften", ist eine seiner Botschaften. Nur, in seinem eigenen Unternehmen – da bitte keinen Betriebsrat. Um die betriebliche Mitbestimmung zu umgehen, hat er Air Berlin mittlerweile in eine britische Kapitalgesellschaft (PLC) mit Sitz in London umgewandelt.

Immer wieder ist von unzufriedenem Personal zu hören, doch der vierfache Vater verweist darauf, dass ein solcher Erfolg wohl nicht mit frustrierten Mitarbeitern gelungen wäre. Außerdem schenkt er auf Betriebsfesten selbst aus, und dort geht es immer recht lustig zu. Noch ein Irrtum kann an dieser Stelle geklärt werden. Air Berlin, betont Hunold, "ist kein Billigflieger, sondern ein Low-Cost-Carrier". Das Salamisemmerl gibt es ja gratis.

Er sei "Mitglied im Verein für deutliche Aussprache", sagt man in Berlin über den hemdsärmeligen Manager, der früher eigentlich nicht an die Börse wollte. "Fremdbestimmung" mag er nicht. Doch jetzt muss frisches Kapital her, also musste sich Hunold mit der Vorstellung anfreunden, seine Zahlen offen zu legen. Angst vor einer Bruchlandung hat

er nicht: "Ich habe noch nie

etwas gemacht, von dem ich nicht überzeugt war, dass es Hand und Fuß hat." (Birgit Baumann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.5.2006)

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    Joachim Hunold

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