Gravity-Festival: Umarmungen und Fesseln

3. Mai 2006, 18:14
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Drei Wochenenden an Independent im Wiener Planet Music: Am Samstag gastiert die exzellente US-Band The Wrens

Im Wiener Planet Music findet an den nächsten drei Wochenenden das Independent-Festival Gravity statt. Am Samstag, 6.5., ist die Österreich-Premiere der exzellenten US-Band The Wrens zu erleben


Wien – In Zeiten hoch kommerzialisierter Musikfestivals, die mit Vertragsverpflichtungen ihren eingeladenen Bands meist ein lokales, monatelanges Auftrittsverbot vor einem Festival vorschreiben, gilt ein kleines Fest wie Gravity als wahrer Lichtblick. Es ist Ermöglicher und nicht Verhinderer einer pulsierenden Konzertszene.

Abseits der üblichen Zugänge, mit großen Namen eine breite Publikumsmasse zu erreichen, setzt das insgesamt viertägige und im Planet Music ausgetragene Gravity auf die Qualität von Bands, die das Etikett "Independent" tragen. Es präsentiert internationale Acts wie The Frank & Walters, Shout Out Louds, My Latest Novel, Bikini Atoll, The Glass – sowie bei einem "elektronischen Appendix" Formationen wie My Robot Friend.

Als Höhepunkte gelten wohl die Auftritte der wiedervereinten Brit-Pop-Götter The Wedding Present, die Folk- Punks Two Gallants aus San Francisco sowie die erstmals in Österreich gastierenden The Wrens aus New Jersey.

Letztgenannten fliegen seit der Veröffentlichung des Albums The Meadowlands (2003) nicht nur rund um den Globus die Kritikerherzen zu. Auch die Bandgeschichte generiert kübelweise Sympathien für die vier unter einem Dach wohnenden Herrschaften. In den späten 80ern unter dem Eindruck lärmender Vorbilder wie My Bloody Valentine gegründet, veröffentlichten die Wrens 1994 ihr Debüt Silver, zwei Jahre später das Album Secaucus.

Der Musikmagnat Alan Meltzer zeigte sich davon derart begeistert, dass er das Label kurzerhand kaufte und den Wrens einen Millionen-Dollar-Vertrag anbot. Unter der Voraussetzung, die Wrens würden sich künstlerisch etwas Richtung Massenkompatibilität verbiegen. Aufrechte, die sie waren und sind, verweigerten sie diese Umarmung, die sich bald als Fessel herausstellen sollte.

An ihrer Stelle wurde die Band Creed in die Pflicht genommen, die bald darauf millionenschwer durch große Arenen zog. Für die Wrens begann ein jahrelanger Rechtsstreit, begleitet von einigen Beinahe-Durchbrüchen. So wurden 2001 etwa The Strokes anstelle der Wrens von RCA unter Vertrag genommen. Andere Bands hätten aufgegeben. Nicht The Wrens.

Als sie nach sieben Jahren von sämtlichen Verpflichtungen befreit waren, veröffentlichten sie beim Label eines guten Freundes The Meadowlands. In Europa wurde dieses Album heuer lizenziert, im Jubel darüber steht die alte der neuen Welt um nichts nach. Abseits gängiger Moden und Trends besticht das Werk mit begnadetem Songwriting, exzellenten Arrangements, die sich zwischen Schrummel- Pop und epischen, dabei nie pathetischen Pop-Nummern bewegen.

Darin erinnern sie an große Kollegen aus ihrer Nachbarschaft. Die dahingegangenen Feelies und ihr gleichermaßen nervös-energetischer wie melancholischer Pop kommt einem ebenso in den Sinn wie Yo La Tengo auf ihren zwischen Tradition und Innovation wechselnden Alben. Der Auftritt von The Wrens markiert am kommenden Samstag den Höhepunkt des ersten Tages beim Gravity-Festivals. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.5.2006)

Von Karl Fluch

Termine

Sa., 6. 5., sowie 12. bis 13. 5. und 19.5., Planet Music, 1200 Wien, Adalbert-Stifter-Str. 73

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planet.tt

  • The Wrens aus New Jersey präsentieren am ersten Tag des 
Gravity-Festivals ihr Album "The Meadowlands" - ein Meisterwerk!
    foto: akr

    The Wrens aus New Jersey präsentieren am ersten Tag des Gravity-Festivals ihr Album "The Meadowlands" - ein Meisterwerk!

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