Österreichische Musikwirtschaft: "SPÖ Wien verharmlost Musikpiraterie"

28. August 2006, 10:43
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"Die Forderung der SPÖ Wien nach Ent­kriminalisie­rung von Filesharing ist ein glatter Etikettenschwindel", so der Geschäftsführer Franz Medwenitsch

Der Verband der österreichischen Musikwirtschaft IFPI Austria reagiert auf eine Aussendung der SPÖ Wien, in der die Partei das Thema "Files-Sharing" aufgegriffen hatte (Der WebStandard berichtete). "Anstelle des offenen Zugangs zu Wissen und Kultur drohen Einschüchterung, Überwachung und Zensur", sagte der der Wiener SPÖ-Gemeinderatsabgeordnete Siegi Lindenmayr in dieser Aussendung. Daher wolle man die Kriminalisierung privater Internet-Tauschbörsennutzer abwehren.

"SPÖ Wien verharmlost Musikpiraterie"

"Es ist bedauerlich, dass gerade die SPÖ Jobs in der Musikbranche gefährdet, indem sie den Diebstahl geistigen Eigentums verharmlost. Die SPÖ Wien verharmlost Musikpiraterie, der Verlust von Jobs in der Musikbranche wird offenbar in Kauf genommen“, antwortet nun Franz Medwenitsch, Geschäftsführer des IFPI. Ihm zu folge sei der Diebstahl geistigen Eigentums kein Kavaliersdelikt, der finanzielle Schaden durch die illegale Verbreitung von Musik im Internet betrage in Österreich 15 Millionen Euro jährlich.

"Etikettenschwindel"

"Die Forderung der SPÖ Wien nach Entkriminalisierung von Filesharing ist ein glatter Etikettenschwindel – gefordert wird der Abbau von Urheberrecht zu Lasten von Künstlern und Kreativen – das lehnen wir ab", so Franz Medwenitsch weiter.

Neue Technologien

Die Musikwirtschaft wehrt sich auch gegen die Behauptung, dass sie nicht mit neuen Technologien umgehen könne. Seit Jahren wurde demnach massiv in neue digitale Angebote investiert. Mehr als 1,5 Millionen Songs stehen den Konsumenten zum Download in Online-Shops, über das Handy oder in Abo- und Streaming-Diensten zur Verfügung.

Musik-Tauschbörsen

Zu den neuen Angeboten zählen laut IFPI auch lizenzierte Musik-Tauschbörsen im Internet, bei denen Künstler und Kreative – anders als bei illegalem Filesharing – entlohnt werden. "Es ist unverständlich und unverantwortlich, wenn die SPÖ Wien die Legalisierung von illegalen Diensten verlangt, wenn es die legale Alternative längst gibt. Der Zugang zu Information und Kultur ist gewährleistet – auf legalem Weg" wird in einer Aussendung betont.

Entlohung

Damit reagiert die IFPI auch auf die Kritik Lindenmayrs, dass von den Einnahmen der Musikkonzerne nur ein geringer Teil an Musiker, Komponisten und Autoren fließt. Tatsächlich klagen derzeit zwei Rockbands den Konzern Sony BMG aus diesen Gründen. Die Musiker vertreten die Meinung, dass Tantiemen für den kommerziellen Musik-Download von ihrer ehemaligen Plattenfirma nicht korrekt abgerechnet wurden (Der WebStandard berichtete).

Vertriebsformen

Der Aufbau und Betrieb neuer, legaler und für Konsumenten günstiger Vertriebsformen im Internet ist laut IFPI nur dann wirtschaftlich möglich, wenn Musik nicht gleichzeitig kostenlos kopiert werden kann. Die Forderungen der SPÖ Wien laufen darauf hinaus, eine noch ganz junge Branche in ihrer kritischen Entstehungsphase zu sabotieren, kritisiert der Verband.

Privatkopien

Privatkopien sind auch im digitalen Umfeld weiterhin erlaubt und möglich, allerdings für tatsächlich private Zwecke und nicht zur weiteren Verbreitung im Internet, zerstreut die IFPI die Befürchtungen der SPÖ Wien in ihrer Aussendung.

Klagen

In Österreich geht die Musikindustrie im Rahmen der "Aktion Scharf" gegen Nutzer von Internet- Tauschbörsen vor, die urheberrechtlich geschützte Musik zum Upload bereitstellen (Der WebStandard berichtete). Die „Aktion Scharf“ folgte erst auf eine mehrmonatige, intensive Informations- und Aufklärungskampagne, und richtet sich nicht gegen Kunden, sondern gegen Personen, die illegal Musik im Internet verbreiten, erklärt dazu die IFPI in ihrer Aussendung.(red)

Links

IFPI

Wiener SPÖ

Presseaussendung der SPÖ Wien

"Aktion Scharf"

Nachlese

Wiener SPÖ für Filesharing

Rockbands verklagen Sony BMG – zu wenig Geld für Musik- Downloads

150 heimische Tauschbörsen-User zahlen Schadenersatz an Musikwirtschaft

Darf ich Files von Tauschbörsen herunterladen? – Der Kampf der Musikindustrie gegen Downloader könnte "psychologische Kriegsführung" sein, die Rechtslage wird nämlich unterschiedlich beurteilt – der WebStandard hat nachgefragt

  • Die IFPI kämpft gegen die Verwendung von "Peer to Peer" Tauschbörsen. Die rechliche Lage ist dabei alles andere als klar, zwar ist der Upload von geschützter Musik verboten, beim reinen Download gehen die Meinungen der Juristen allerdings auseinander.

    Die IFPI kämpft gegen die Verwendung von "Peer to Peer" Tauschbörsen. Die rechliche Lage ist dabei alles andere als klar, zwar ist der Upload von geschützter Musik verboten, beim reinen Download gehen die Meinungen der Juristen allerdings auseinander.

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