Klagen überschatten CAT-Oil-Börsengang

1. Juni 2006, 14:11
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Während Vorstandschef Manfred Kastner auf Roadshow ist, wird dem Ölfeldausrüster vorge­worfen, die Besitzver­hältnisse zu verschleiern

Wien - Den Börsengang hat sich das Management von CAT Oil, eine auf Dienstleistungen für die Ölindustrie spezialisierte Firma mit Sitz in Baden bei Wien, sicher ruhiger vorgestellt. Knapp vor Ende der Zeichnungsfrist heute, Mittwoch, sind Beschuldigungen aufgetaucht, das in Russland und Kasachstan tätige Unternehmen verschleiere die wahren Besitzverhältnisse und decke russische Verbindungen zu.

In der Tat hat CAT Oil in dem am 19. April veröffentlichten Prospekt zum Börsengang den Mehrheitseigentümer der in Zypern eingetragenen CAT Oil Holding nur vage mit "Finanzinvestor aus Westeuropa" beschrieben. Als Co-Eigentümerin wurde namentlich nur Anna Brinkmann angeführt, die auch im Vorstand sitzt. Das gab Gerüchten darüber, wer tatsächlich hinter der Firma steckt, neue Nahrung.

Verflechtungen

Personelle Verflechtungen reichen bis hinauf zum Topmanagement des russischen Ölkonzerns Lukoil - zumindest lässt sich das anhand verschiedener Dokumente und Treuhand-Vereinbarungen nachzeichnen, auf die sich auch das Wall Street Journal Europe in seiner Montagausgabe bezieht. Laut Firmenbuch war Mitte der Neunzigerjahre Heinrich Smidt alias Witalj H. Schmidt, ein ehemaliger Vizepräsident von Lukoil, Gesellschafter von CAT Oil in Baden. Schmidt ist 1997 überraschend verstorben; die Schmidt-Erben fühlen sich übergangen und glauben auch nicht, dass es sich um einen natürlichen Tod gehandelt hat.

"Was jetzt hochkommt sind alte Sachen, die schon geklärt sind", sagte ein Unternehmenssprecher dem STANDARD. Ende der Neunzigerjahre hätten die Erben von Schmidt bereits Prozesse gegen CAT-Oil-Mitgründerin Brinkmann angestrengt. "Die Klagen wurden alle eingestellt oder sind zugunsten von Brinkmann entschieden worden", sagte der Sprecher.

Bei dem geheimnisvollen Einzelinvestor handelt es sich um den deutschen Staatsbürger Walter Höft, der über die CAT Oil GmbH (Zypern) eine indirekte Mehrheitsbeteiligung an der CAT Oil Holding hält. Dieser gehören 100 Prozent der CAT Oil AG, die sich nun über die Börse Geld für die weitere Expansion holt. Das Unternehmen hat mittlerweile einen Nachtrag zum Börsenprospekt verfasst, in der die Identität des Mehrheitseigentümers gelüftet wird.

Rücktrittsrecht für Aktienzeichner

Gemäß Kapitalmarktgesetz haben Personen, die ohne dieses Zusatzwissen Aktien gezeichnet haben, ein Rücktrittsrecht. Bei CAT Oil, dessen Spitzenmanagement derzeit auf Roadshow in den USA unterwegs ist, glaubt man nicht, dass sich Zeichner zurückziehen: "Materiell hat sich ja nichts geändert."

Der von Dresdner Kleinwort Wasserstein und Erste Bank begleitete Börsengang laufe besser als erwartet. Die Aktien kosten zwischen 12,50 und 15 Euro je Stück. Am grauen Markt wird die Aktie derzeit mit 20 bis 21 Euro gehandelt. Die Erstnotiz an der Börse in Frankfurt ist für diesen Donnerstag geplant.

CAT Oil arbeitet für Konzerne wie Gasprom, Lukoil, Rosneft oder TNK-BP. Mit 2200 Mitarbeitern hat das Unternehmen im Vorjahr 157,4 Mio. Euro umgesetzt und einen Nettogewinn von 19,8 Mio. Euro erzielt. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.5.2006)

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    CAT-Oil-Chef Manfred Kastner

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