Menschenrechte für Affen

18. Juli 2006, 17:59
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Spanische Regierung will Menschenaffen als "genetischen Gefährten des Menschen" gewisse Grundrechte einräumen - ein Vorhaben, das Kritik und Spott hervorrief

Madrid - Sollen Menschenaffen so etwas wie "Menschenrechte" erhalten? Darüber wird in Spanien heftig debattiert, seit die Regierungspartei der Sozialisten im Parlament eine entsprechende Initiative gestartet hat. Der Vorschlag sieht vor, dass Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Zwergschimpansen aufgrund ihrer Verwandtschaft mit dem Menschen bestimmte Grundrechte erhalten.

Recht auf Leben, Freiheit und körperliche Unversehrtheit

Drei Rechte sollen den Menschenaffen zugesprochen werden: Das Recht auf Leben (Schutz ihrer Lebensräume, Tötung nur zur Selbstverteidigung), das Recht auf Freiheit (keine Haltung im Zoo oder im Zirkus) und das Recht auf körperliche Unversehrtheit (kein Einsatz mehr in Labortests).

Die Sozialisten von Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero machten sich mit dem Vorstoß die Forderungen des internationalen "Projekts Menschenaffen" zu Eigen, das vor acht Jahren gegründet wurde und laut Angaben von Wissenschaftern an 70 Universitäten unterstützt wird. "Wenn Spanien die Vorschläge annimmt, wäre es nach Neuseeland weltweit das zweite Land, das unseren Empfehlungen folgt", sagt Pedro Pozas, der Generalsekretär des Projekts in Spanien.

Heftige Kritik von Seiten der Kirche

Heftige Kritik dagegen kam unter anderem von der Kirche: "Zu viel Fortschrittlichkeit führt zur Lächerlichkeit. Die Regierung will den Affen Rechte einräumen, die sie ungeborenen Kindern versagt", meinte der Erzbischof von Pamplona, Fernando Sebastian, unter Hinweis auf das Thema Abtreibung.

Die Chefin der spanischen Sektion von Amnesty International, Delia Padrón, beklagte: "Es ist erstaunlich, dass Affen Menschenrechte zugesprochen werden sollen, obwohl noch nicht einmal alle Menschen diese Rechte besitzen."

Umweltministerin Cristina Narbona unterstützt die Initiative, stellte aber klar: "Es geht um gewisse Grundrechte, nicht darum, Affen die Menschenrechte zuzuerkennen. Dies ist ein Missverständnis, das durch eine falsche Übersetzung aufgekommen ist."

"Pensionsansprüche"

Ein Kommentator der Zeitung El Mundo wandte ein: "Wir sollten uns in Spanien beim Tierschutz um näher liegende Probleme kümmern wie zum Beispiel um die Frage des Stierkampfs." In einer Umfrage sprachen sich 77 Prozent der Leser gegen das Vorhaben aus. In der Konkurrenzzeitung El País witzelte ein Kolumnist: "Als Nächstes sollen die Menschenaffen noch Pensionsansprüche und das Recht auf Bäume mit 30 Quadratmetern Wohnfläche erhalten."

Dagegen ist dem Abgeordneten Francisco Garrido, der das Vorhaben im Parlament vorgelegt hat, nicht nach Witzen zumute. Für ihn sind die Menschenaffen "genetische Gefährten der Menschheit". "Die Menschenaffen besitzen eine Selbstkontrolle und einen Sinn für Vergangenheit und Zukunft", betonte der Parlamentarier. "Sie trauern über den Tod von Angehörigen, sie teilen sich die Nahrung, sie gehen feste Beziehungen ein und erlernen die Benutzung von Werkzeugen. Sie sind keine Menschen, aber sie gehören zu unserer Familie."

Der Philosoph Jesus Mosterín ergänzte: "Wir Menschen sind nicht die Kinder der Götter, sondern die Cousins der Schimpansen." (dpa/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.5. 2006)

Von Hubert Kahl

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Great Ape Project
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    Wie menschlich ist ein Schimpanse? - Für die spanische Regierungspartei menschlich genug, um ihn mit entsprechenden Grundrechten auszustatten.

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