Israel: Haft für Frauen bei "lautem" Gebet an der Klagemauer

1. Juni 2000, 14:55

Die Ultraorthodoxen setzten ein entsprechendes Gesetz durch.

Jerusalem - Der ultraorthodoxen "Thorajudentum" Fraktion im israelischen Parlament gelang es am Mittwoch, ohne Gegenstimmen ein Gesetz durchzubringen, das Frauen bis zu sieben Jahre Gefängnis androht, falls sie sich an der Klagemauer in einen Gebetsmantel hüllen oder laut beten. Die Gesetzesvorlage erklärt die Klagemauer zu einer Synagoge, wo nur gemäß den Sitten der Ultraorthodoxen gebetet werden dürfe.

Der Fraktion gelang die Verabschiedung der Gesetzesvorlage weil sich kein Mitglied der Regierungskoalition im Plenumsaal aufhielt. Vor einer Woche hatte das Oberste Gericht in einem Präzedenzurteil festgestellt, dass im Rahmen der Religionsfreiheit Frauen "in einen Gebetsmantel gehüllt laut an der Klagemauer beten" dürften. Durch das neue Gesetz wollen die Ultraorthodoxen diese Entscheidung wieder aufheben.

Amerikanische Rabbiner reagierten im israelischen Rundfunk am Donnerstag empört auf die Gesetzesvorlage. "Sie wird unser Volk spalten", sagte eine Sprecherin der Reformjuden. (APA)

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