Der schwarze Elvis und ein DJ-King

2. Mai 2006, 17:06
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Eine HipHop-Nacht mit Legenden wie Mark James alias The 45 King, Kool Keith und DJ DSL

Korneuburg – Dass er in einschlägiger Literatur wie David Toops Rap Attack, S. H. Fernado Jr.s The New Beats oder Ulf Poschardts Standardwerk DJ-Culture bestenfalls als Randfigur auftaucht, hat nichts mit fehlender Qualität oder nicht vorhandenem Einfluss zu tun. Im Gegensatz zum im HipHop üblichen Ich- Aktien-Geprotze hat sich Mark James alias (Mark) The 45 King als Person immer hinter sein Werk gestellt.

Damit hat er der Legendenbildung um seine Person ebenso nachhaltig zugearbeitet wie mit seinen unablässigen Veröffentlichungen, die allesamt im Zeichen furztrockener Beats und ihren Brüchen stehen. Der seit den Pioniertagen der HipHop-Kultur in der Bronx involvierte New Yorker gilt als DJ-Gott, dessen Produktionen als Vorlage unzähliger HipHop-Stücke verwendet wurden und werden.

Im Jahr 2000 gelang ihm schließlich mit der Produktion von Jay-Zs Hard Knock Live (Ghetto Anthem) ein internationaler Smash-Hit. Und auch das berühmteste Weißbrot des HipHop, Eminem, ließ sich schon vom König unter die Arme greifen. Sein Auftritt beim Donaufestival in der Korneuburger Werft ist als geheimer Höhepunkt zu werten. Fragen Sie seinen größten Fan, DJ DSL, der die Aufwärmrunde für den King bestreitet.

Ungleich berühmter ist Kool Keith – beziehungsweise die jeweiligen Etiketten seiner nicht zu geringen Metamorphosen. Immerhin veröffentlichte der DJ, MC und Produzent unter so verschiedenen Namen wie Dr. Octagon leicht experimentell angehauchten HipHop auf dem britischen Mo'-Wax-Label, errichtete als Dr. Doom düstere Beat-Architekturen oder reüssierte als Black Elvis mit psychedelisch angehauchten Sounds zu Beats der alten Schule. Als Rapper gilt Kool Keith als Vertreter des "Free-Flow-Style", eines assoziativen, frei fließenden Stils. Böse Zungen und Kritiker behaupten bezüglich des einst mit der Formation Ultramagnetic MCs aufgetauchten Rappers gern, der als Teenager einst Psychiatrierte könne gar nicht anders. Und wenn schon: Diesen Behauptungen steht ein Werk gegenüber, dass in seiner Vielfalt seinesgleichen sucht.

Danach werden Teilnehmer der Beat-Connection die Resultat des mehrtägigen von der Red Bull Music Academy veranstalteten Workshops mit dem 45 King vorstellen. (SPEZIAL, DER STANDARD, Printausgabe, 3.5.2006)

Von Karl Fluch

Fr., 5.5., ab 20 Uhr
Die Werft, Korneuburg
  • Mark James alias The 45 King
    foto: promotionfoto

    Mark James alias The 45 King

  • Kool Keith
    foto: promotionfoto

    Kool Keith

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