Mehr Männer als angenommen wurden verbrannt

1. Juni 2000, 14:28

Die Geschichte der Hexenverfolgung müsse umgeschrieben werden

Rom - Eine grundlegende Revision der Geschichte der Hexenverfolgung in Europa hat der dänische Ethnologe und Historiker Gustav Henningsen gefordert. Bei der Eröffnung einer Ausstellung der dänischen Akademie in Rom über "Hexenwahn in Europa - Mythos und Realität" erklärte Henningsen laut Kathpress, die Hexenverfolgung habe weit weniger Opfer gefordert als früher gemeinhin angenommen. In den 400 Jahren der aktivsten Verfolgung seien in ganz Europa rund 50.000 Menschen wegen des Vorwurfs der Hexerei verbrannt worden. Frühere Schätzungen hatten von bis zu neun Millionen Opfern gesprochen.

Henningsen, der Autor mehrere Standardwerke der neueren Hexenforschung ist, erklärte weiter, dass die Todesrate bei der Hexenverfolgung in den katholischen Ländern besonders niedrig gewesen sei. Von der Mitte des 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts seien bei mehr als 12.000 Hexenprozessen in Spanien, Portugal und Italien insgesamt 36 Hinrichtungen erfolgt. Das Gros der Hexenverbrennungen entfalle auf die Gebiete Europas, in denen die römische Inquisition nicht tätig war.

Henningsen betonte weiter, einer der begeistertsten Befürworter der Hexenverfolgung sei Martin Luther gewesen. Falsch sei die Annahme, dass nur Frauen im Rahmen der Hexenverfolgung verbrannt wurden. Vor allem in Skandinavien seien häufig auch Männer als Hexer hingerichtet worden, in Island sogar ausschließlich. (APA)

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