Akademie der Wissenschaften: Peter Schuster neuer Präsident

20. Oktober 2006, 10:42
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Amtierender ÖAW-Präsident Mang unterlag bei der Wahl dem ehemaligen Proponenten der Elite-Uni

Wien - Überraschende Personalentscheidung in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW): Der amtierende ÖAW-Präsident Herbert Mang unterlag vergangenen Freitag Abend bei der turnusmäßigen Wahl durch die Gesamtakademie dem 65-jährigen Chemiker Peter Schuster, teilte die Akademie am Dienstag auf Anfrage der APA mit. Im fünften Wahlgang wurde Schuster zum neuen Akademie-Präsidenten gewählt. Vizepräsident Herbert Matis wurde dagegen in seinem Amt bestätigt.

Mang war 2003 für eine dreijährige Amtsperiode als Nachfolger des langjährigen ÖAW-Chefs Werner Welzig gewählt worden. Bereits damals kandidierte auch Schuster, unterlag allerdings. Für eine zweite Amtsperiode benötigte Mang nun laut Wahlordnung zwei Drittel der Stimmen, Schuster reichte eine einfache Mehrheit. Er wurde von einem akademieinternen Wahlkomitee als Kandidat vorgeschlagen. Bei der Wahl war jedes wirkliche ÖAW-Mitglied wählbar.

Elite-Uni

Schuster war zuletzt als einer der - letztlich zurückgetretenen - Proponenten der geplanten Elite-Uni im Gespräch. Dem neuen Präsidenten kann man einen Hang zur Elite nicht absprechen: 1967 wurde er sub auspiciis praesidentis promoviert, absolvierte seine Post-doc-Jahre beim späteren Nobelpreisträger Manfred Eigen, er ist als Träger des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst Mitglied der gleichnamigen Kurie und hat gemeinsam mit dem Physiker Anton Zeilinger das Elite-Uni-Konzept ausgearbeitet, bis die umstrittene Standortentscheidung durch die Politik zum Rücktritt der Experten geführt hat.

Schuster, am 7. März 1941 in Wien geboren, studierte Chemie an der Universität Wien und wurde 1967 sub auspiciis praesidentis promoviert. Es folgten Forschungsjahre am Max-Planck-Institut für Physikalische Chemie in Göttingen (Deutschland), wo er mit dem damals frischgebackenen Chemie-Nobelpreisträger Manfred Eigen zusammenarbeitete.

Spezialist

Der Wissenschafter ist Spezialist für die Berechnungen von Molekularstrukturen. Einer seiner Arbeitsschwerpunkte liegt in der mathematischen Modellierung von Selektions- und Evolutionsstrategien in Populationen von Viren und Mikroorganismen. Seine Beiträge zur Theorie der Wasserstoff-Bindungen brachten ihm 1973 den Ruf für das Ordinariat für Theoretische Chemie an der Universität Wien ein. Von 1992 bis 1995 war Schuster Gründungsdirektor des Instituts für Molekularbiologie in Jena, eines so genannten "Blaue-Liste-Instituts", das in den neuen deutschen Bundesländern mit starker staatlicher Unterstützung arbeitete.

1993 erhielt Schuster das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. Er ist damit Mitglied der 18 der renommiertesten heimischen Wissenschafter umfassenden Österreichischen Kurie für Wissenschaft. 1995 wurde er für seine molekularbiologischen Verfahren zur Gestaltung neuer Bio-Werkstoffe und Enzyme mit dem deutschen Philip Morris-Forschungspreis ausgezeichnet.

Vizepräsident

In der Akademie der Wissenschaften, deren wirkliches Mitglied er seit 1992 ist, war Schuster von 2000 bis 2003 Vizepräsident. Seit 1991 ist er externes Fakultätsmitglied des Santa Fe Instituts (US-Bundesstaat New Mexico), seit 2001 Mitglied des Präsidiums der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. (APA)

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    foto: oeaw
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