Mit dem Dozenten abends im Chatroom

23. Juni 2006, 15:35
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1300 studieren an virtueller Fachhochschule

Berlin - An manchen Abenden ist es nicht leicht. Während die Freunde schon beim Bier zusammensitzen, muss Arne Welsch noch für sein Studium arbeiten. Steht eine Besprechung mit einem Dozenten auf dem Programm, trifft er diesen allerdings nicht in einem wirklichen Vortragsraum mit Tischen und Stühlen, sondern im Chatroom. Der 35-Jährige ist einer von 1300 Studenten, die an Deutschlands erster virtueller Fachhochschule eingeschrieben sind.

"Nicht nur den Vortragenden, auch den Kollegen begegne ich hauptsächlich im Netz", sagt Welsch. Das spart Zeit, denn von dieser hat Welsch bei seiner Weiterbildung nicht allzu viel zu vergeben. Der Maschinenbauingenieur arbeitet bereits an der Fachhochschule Lübeck. "Für mich als Berufstätigen ist die virtuelle Fachhochschule natürlich ideal", lobt er das Projekt, dass 1998 ins Leben gerufen und vom Ministerium für Bildung und Forschung zunächst finanziell unterstützt wurde. Mittlerweile steht die virtuelle Fachhochschule (VFH) auf eigenen Beinen.

Sieben Schulen

Im Hochschulverbund VFH haben sich sieben Präsenzfachhochschulen aus sechs Bundesländern zusammengeschlossen. Dazu gehören noch zwei assoziierte Partnerhochschulen - eine in München, eine im schweizerischen Brig. Gemeinsam bieten sie die Fächer Medieninformatik (Bachelor/Master) und (Bachelor) an. Ebenfalls online erfolgt die Ausbildung zum "Industrial Engineering Master". Dafür kooperieren die Fachhochschulen Kiel und Lübeck mit Universitäten in Schweden, Norwegen und Finnland.

Wer in der VFH studieren möchte, schreibt sich zunächst in einer der sieben Institute ein. Berlin, Brandenburg, Braunschweig, Lübeck, Oldenburg, Stralsund, Bremerhaven haben die virtuellen Studiengänge gemeinsam entwickelt, jeder bietet sie an. An manchen Lernblöcken können auch Studenten verschiedener Hochschulen teilnehmen. Nach dem Inskribieren ist dann Selbstdisziplin gefragt. Denn 80 Prozent des Studiums werden daheim absolviert - wobei die VFH versucht, Studenten die Arbeit durch spezielle Lehrmittel zu erleichtern.

Filme statt Skripten

"Das Material ist extra multimedial und didaktisch für E-Learning aufbereitet", erklärt Claudia Richter von oncampus, Organisator der virtuellen Studiengänge. Statt Büchern und Skripten gibt es Videos und Animationen. Für Jens Welsch war das ein Grund, sich für die VFH zu entscheiden: "Ich hatte mich auch für eine andere Fernuniversität interessiert. Aber dort wurde einem nur stapelweise Papier zugeschickt. Das war nicht sehr motivierend."

Obwohl er Mitstreiter nur bei Prüfungen und einigen wenigen Präsenz-Veranstaltungen sieht, findet er die VHF "sehr lebendig". Dozenten kommunizieren mit ihren Studenten nicht nur im Chatroom, sondern seien auch stets per Mail erreichbar. Die Quote der Abbrecher an der VFH liegt bei 35 Prozent und ist damit geringer als bei klassischen Fernlehrgängen. (bau/DER FACHHOCHSCHUL-STANDARD, Printausgabe, 29./30.4/1.5.2006)

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