Der Job soll für die FH kein Hindernis sein

23. Juni 2006, 15:35
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Steigendes Angebot an berufsbegegleitenden Studiengängen - Wie sehr Unternehmen ihre studierenden Mitarbeiter unterstützen, ist ungewiss

Fachhochschulen bieten Studiengänge zunehmend berufsbegleitend an. Die Datenlage, ob und wie Unternehmen die Ambitionen ihrer studierenden Mitarbeiter unterstützen, ist allerdings dünn. Vorgesetzte scheinen zwischen Zustimmung und Misstrauen zu schwanken.

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"Berufstätige werden von Fachhochschulen verstärkt umworben", beobachtet Michael Heritsch, Geschäftsführer der Fachhochschule Wien, dem größten Anbieter berufsbegleitender Studien in Österreich. Was eine Ausweitung des Angebots vor allem an Fachhochschulen mit sich gebracht hätte.

Begründet liegt dies unter anderem in dem Bedarf an Höherqualifizierung unter Arbeitnehmern, aber auch politischer Vorgaben auf nationaler und EU-Ebene. "Vonseiten des Bildungsministeriums etwa gibt es ein klares Bekenntnis zu berufsbegleitenden Studiengängen. Sie werden bevorzugt gefördert", sagt Anna Koubek, Geschäftsführerin der FH Joanneum in Graz, die seit 2004 solcherart organisierte Lehrgänge führt.

Die Zahlen des Fachhochschulrats zeigen den langjährigen Trend auf: Gab es im Studienjahr 1994/95 noch keine berufsbegleitenden Lehrgänge, liegt deren Anzahl im aktuellen Studienjahr insgesamt bereits bei 63. In Relation sind das immerhin 42 Prozent aller 150 FH-Studiengänge.

"Ein FH-Studium bietet eine sehr klare Perspektive und einen genauen Zeithorizont. Darum ist Nachfrage immer noch da, wenngleich die Bewerberzahlen nie so hoch sind, wie bei Vollzeitstudien", sagt Heritsch. Prinzipiell sei es schwierig, Arbeitnehmer zu überzeugen, sich neben Beruf und Familie ein Studium anzutun. Insbesondere der hohe Zeitaufwand, der sich aus der Kumulation dieser beiden Lebensbereiche ergibt, stellt Studierende vor große Herausforderungen. "Diese vier Jahre gehen an keinem spurlos vorüber", spricht Heritsch aus eigener Erfahrung, "ich habe das selbst durchgemacht."

Wie aber reagieren Firmen auf die Fortbildungsambitionen eines Arbeitnehmers? "Auf der einen Seite gibt es Unternehmen, die daran interessiert sind, dass sich Mitarbeiter in dieser Form weiterbilden", meint Ingrid Schwab-Matkovits, Geschäftsführerin der Fachhochschulstudiengänge Burgenland. An den Lehrgängen in Eisenstadt und Pinkafeld studieren zurzeit rund 1200 Studenten, davon zwölf Prozent berufsbegleitend. "Mir ist aber schon zu Ohren gekommen, dass es Unternehmen gibt, die besorgt sind, weil sie befürchten, dass ihr Mitarbeiter nicht mehr zu hundert Prozent in der Firma ist", ergänzt sie.

Heißes Pflaster

Über die Art und Weise, wie ein Arbeitgeber seinen studierenden Mitarbeiter unterstützt, lassen sich keine allgemeinen Aussagen machen. "Das höchste der Gefühle ist zumeist ein Entgegenkommen in der Flexibilität der Arbeitszeitgestaltung. Grundsätzlich wird es wahrscheinlich gutgeheißen, weil es als Engagement für das Unternehmen gilt", meint Christoph Baum, von der Unternehmensberatung 3s. "Das ist aber prinzipiell ein heißes Pflaster, weil es darüber keine Daten gibt."

Eine kürzlich vom Studiengang für Wissensmanagement der FH Wien durchgeführte Studie könnte erste Anhaltspunkte geben. 593 der berufsbegleitend Studierenden an der Wiener FH beteiligten sich dabei an einer Online-Umfrage, die sich mit diesem Problemfeld beschäftigt. Ein Ergebnis ist, dass die Mehrheit der Vorgesetzten in den Unternehmen der Studierenden es generell begrüßt, wenn ihre Mitarbeiter neben dem Job studieren: 68,5 Prozent der Unternehmen sehen die Weiterbildungsinitiative positiv oder sehr positiv, weitere 25 Prozent neutral. Nur 5,5 Prozent der Vorgesetzten äußern Bedenken, wobei vor allem die zeitlich eingeschränkte Flexibilität als Manko angesehen wird. Der finanzielle Aspekt scheint allerdings nicht auf.

Dass ein Betrieb seinem Angestellten beispielsweise die Studiengebühren bezahlt, käme nach Ansicht von Baum so gut wie nie vor: "Meistens müssen sich die Leute ihr Studium selbst finanzieren." Wobei die zu bezahlenden Studiengebühren keine große Rolle spielen dürften. (Markus Böhm/DER FACHHOCHSCHUL-STANDARD, Printausgabe, 29./30.4/1.5.2006)

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