update.com sieht in Kundenbeziehungen per Mobilfunk Zukunftsmarkt

1. Juni 2000, 10:30

Kunden sollen über personalisierte Profile laufend über das Handy informiert werden

Die ortsungebundene Verbreitung und Nutzung von Information, Informationen "on the move" für eine mobile Bevölkerung, für alle also, so lautet die Vision von Gilbert Hödl, Gründungsmitglied der seit April am Frankfurter Neuen Markt notierten update.com Software AG. Dafür setzt der nach eigenen Angaben europaweit führende Anbieter von Software für "e-CRM", elektronischem Customer Relationship Management (Kundenbeziehungsmanagement), mit Hauptsitz in Wien, vor allem auf die Abwicklung von Geschäftsprozessen über Mobiltelefone und über den mobilen Internetzugang.

Die Akzeptanz elektronischer Dienstleistungen über Internet sei bereits recht hoch, das Potenzial über mobile Endgeräte aber noch größer. So sei in vielen Ländern die Mobiltelefon-Dichte höher als die PC-Penetration. Hödl: "Bald mehr als eine Milliarde Menschen weltweit benutzen ein Mobiltelefon, bis 2003 wird ein Großteil davon WAP-fähig sein." Mit der WAP-Technologie (Wireless Application Protocol) wachsen Mobilfunk und Internet zusammen, die neuen Mobilfunkstandards GPRS und UMTS erhöhen die Übertragungsgeschwindigkeit.

Der Unternehmernutzen sei vielfältig, angefangen von der Schaffung neuer Vertriebskanäle über echtes "One-to-One-Marketing" bis hin zu effizienterer innerbetrieblicher Kommunikation, z. B. über Web-Cam oder Video zwischen einem Kunden, einem Ingenieur oder Außendienstmitarbeiter und dem Innendienst oder dem Chef in Echtzeit. Auf jeden Fall komme man weg von ortsgebundenen hin zu mobilen Geschäftskontakten. Für die Unternehmen sei es wertvoll zu wissen, wo der Kunde gerade ist und woher er eine Anfrage richtet. Die Anfragen und Bestellungen von Produkten und Dienstleistungen von unterwegs können dann mit ortsgebundenen Dienstleistungen verbunden werden.

Der Kunde selbst erstellt das Profil dessen, was er wissen will und braucht, und erhält beispielsweise über SMS (Short Message Service) Informationen zu Sonderangeboten oder -aktionen. Aber auch bei anderen Dienstleistungen, etwa wenn Strom oder Gas abgelesen werden müssen, kann der Mitarbeiter, kurz bevor er kommt, eine Nachricht verschicken. Der Kunde werde dadurch mobiler und zeitunabhängiger.

Besonders in sprachgesteuerten Anwendungen - das Tastendrücken fällt weg - sieht update.com großes Potenzial. Man ist beispielsweise geschäftlich in Österreich unterwegs und kann seine E-Mails über das Handy abfragen, der elektronische Sekretär gibt sie ihm sprachgesteuert durch und diese können mündlich beantwortet werden.

Wird der Konsument mit unerwünschten Informationen überschwemmt?

Dass der Konsument mit ungebetenen und ungefragten Informationen und Kurznachrichten überschwemmt wird, darin sieht Hödl keine Gefahr. "Die rechtliche Situation ist eindeutig, eine Klage möglich." Zudem würden seriöse Unternehmen ihre Angebote mit Maß und Ziel abgeben und der Konsument könne Filter erstellen und so entscheiden, ob er überhaupt Werbung erhalten will und wenn ja, welche und von wem. Die Personalisierung sei extrem wichtig und interessant.

Diese Anwendungen setzten allerdings stabile Systeme voraus, in denen Abstürze oder lange Wartezeiten eine Seltenheit sein sollten. Für derartige personalisierte Dienstleistungen führt update.com auf Messen bereits Demo-Versionen vor und möchte im vierten Quartal mit entsprechenden Serienprodukten für Content Provider, die die update-Technologie in ihre Portale einbauen, auf den Markt kommen. Im WAP-Bereich seien die anvisierten Partner zunächst Telekom-Unternehmen. (APA)

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