Kaschmir: Mindestens 35 Hindus bei Massaker ermordet

9. Juni 2006, 08:55
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Mutmaßliche islamistische Guerilla-Kämpfer entführten und erschossen Bewohner aus zwei Dörfern

Jammu - Mutmaßliche muslemische Extremisten haben nach offiziellen Angaben am Montag mindestens 35 Hindus im indischen Teil Kaschmirs erschossen. Die Massaker - die zu den folgenschwersten seit Monaten zählen - ereigneten sich nur wenige Tage vor Gesprächen des indischen Ministerpräsidenten Manmohan Singh mit Kaschmir-Separatisten in Neu-Delhi. Singh verurteilte die Taten und sagte, die Bevölkerung Kaschmirs habe Terroristen wiederholt eine Absage erteilt. Bislang bekannte sich niemand zu den Massakern.

Größte Rebellengruppe bestreitet Verwicklung

Schauplätze der Angriffe waren nach Polizeiangaben der mehrheitlich von Hindus bewohnte Doda-Distrikt rund 170 Kilometer von Kaschmirs Winter-Hauptstadt Jammu sowie der benachbarte Distrikt Udhampur. In der Gegend in Doda leben mehr als 500 mehrheitlich hinduistische Familien. Die größte kaschmirische Rebellengruppe Hizbul Mudschahedin bestritt eine Verwicklung und verurteilte die Massaker ebenfalls.

Einige Angreifer trugen Polizeiuniformen

Zeugenaussagen zufolge griffen die Täter die Bewohner zweier Dörfer in Doda gleichzeitig an. Einige der Angreifer sollen Polizeiuniformen getragen haben. "Im ersten Dorf haben sie zwölf Menschen getötet und im zweiten zehn", sagte ein Polizeisprecher. "Danach sind sie im Schutze der Dunkelheit entkommen."

Bei der Tat wurden neun Menschen verletzt, fünf von ihnen schwer. Einer der Verletzten schilderte einem lokalen Fernsehsender, bewaffnete Extremisten seien in der Nacht in sein Dorf gekommen und hätten die Menschen aufgefordert, aus ihren Häusern zu kommen: "Sie haben aus jedem Haus einen Mann mitgenommen. Die anderen mussten wieder hineingehen. Sie haben gesagt, dass sie uns später wieder freilassen. Nachdem wir ein Stück gegangen sind, haben sie angefangen, uns zu schlagen und das Feuer eröffnet."

Erschießungen in Udhampur

Am Sonntag und Montag wurden im Distrikt Udhampur die Leichen von weiteren 13 Hindus entdeckt, die offenbar mit zahlreichen Schüssen getötet worden waren. Polizeiangaben zufolge handelt es sich bei den Opfern um Kuhhirten. Neun von ihnen waren am Sonntag von mutmaßlichen Rebellen entführt worden.

Im indischen Teil Kaschmirs sind seit Beginn eines Aufstands gegen die indische Herrschaft im Jahr 1989 zehntausende Menschen getötet worden. Die Himalaya-Region ist zwischen Indien und Pakistan geteilt. Indien wirft dem mehrheitlich moslemischen Pakistan vor, die Kaschmir-Rebellen zu unterstützen. (Reuters)

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    Überlebende der Massaker wurden in die umliegenden Krankenhäuser gebracht.

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