Nur ein Drittel der Infizierten wird behandelt

12. Juli 2007, 16:37
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Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schmerzen im Oberbauch - mit diesen Symptomen bleibt Hepatitis C oft zu lange unerkannt

Weltweit sind laut WHO rund 200 Millionen Menschen mit dem Hepatitis C Virus infiziert. In Österreich gehen die Experten von 90.000 Infizierten aus. Etwa 70% der Betroffenen dürften mit dem schwieriger zu behandelnden Virus Genotyp 1 infiziert sein.

Hepatitis C bleibt oft unentdeckt

Derzeit wird eine Hepatitis C Infektion meist nur durch einen Zufallsbefund zum Beispiel im Rahmen einer Gesundenuntersuchung entdeckt. Oft ist die Erkrankung dann schon so weit fortgeschritten, dass bereits Komplikationen aufgetreten sind oder gar schon irreparable Schäden vorliegen.

Folge - chronische Leberentzündung

Bei rund 80% der infizierten Patienten entwickelt sich eine chronische Leberentzündung, die ohne Behandlung die Leber nach und nach schädigt und letztendlich zu Leberzirrhose, Leberkrebs und so zum Tod des Patienten führen kann. Hepatitis C ist die häufigste Ursache für eine Lebertransplantation in Österreich.

Keine typischen Kennsymptome

Die "typisch uncharakteristische" Symptomatik der chronischen Hepatitis C erschwert die Diagnose: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit oder Appetitlosigkeit sind oftmalig die einzigen Anzeichen, die vom Patienten und manchmal auch vom Arzt zunächst anderen Ursachen zugeschrieben werden.

Rund zwei Drittel unbehandelt - Bluttest bringt Klarheit

Ein einfacher Bluttest würde die Infektion durch das Hepatitis C Virus nachweisen. Nach wie vor dürfte aber nur rund ein Drittel der 90.000 Infizierten über ihre Infektion Bescheid wissen. Die rechtzeitige Diagnose und frühzeitige Therapie ist für den Heilungserfolg aber ausschlaggebend. Nur durch eine möglichst frühzeitige Therapie können die Patienten vor den möglichen Langzeitfolgen einer chronischen Hepatitis C bewahrt werden.

Neuer individueller Therpieansatz

Neue österreichische Studien weisen Weg in Richtung individualisierte, optimierte Therapie Die Zwischenergebnisse zweier österreichischer Studien. Die Ergebnisse der Studie mit Patienten, die den Hepatitis C Genotyp 1 oder 4 tragen, zeigen, dass eine 24-wöchige (statt 48-wöchige) Kombinationstherapie mit Peginterferon Alfa-2a und Ribavirin ausreicht - falls das Virus nach 4 Wochen Therapie aus dem Blut eliminiert werden konnte. Bei 87% (TPP = treated per protocol = % der SVR bei allen Patienten, die protokollgemäß die Therapie beendeten) dieser Patienten lag eine Dauerheilung vor.

Heilung mit kürzerer Kombinationstherapie

Bei der Studie zu Hepatitis C Patienten, die mit Genotyp 2 oder 3 infiziert sind, zeigte sich, dass bei einer 24-wöchigen Kombinationstherapie mit Peginterferon Alfa-2a - bei gleich guter Heilungsaussicht - nur die Hälfte der bisher angenommenen Dosis an Ribavirin ausreicht; 78% (TPP) der Patienten konnten in beiden Gruppen dauerhaft geheilt werden.

Die Zwischenergebnisse dieser beiden Hepatitis C Studien sind zukunftsweisend, da darauf basierend eine individuell auf den Patienten abgestimmte und optimierte Therapie in greifbare Nähe rückt. Bestmögliche Heilungsaussichten und verbesserte Lebensqualität für den einzelnen Patienten sowie ein effizienterer Einsatz von finanziellen Mitteln und Ressourcen scheinen dadurch erzielbar.

Österreichische Expertengruppe international führend

Die Zwischenergebnisse der österreichischen Studiengruppe, an der zur Zeit 20 Hepatitis-Zentren aktiv teilnehmen, sind letzte Woche vom Wiener Hepatitis-Spezialisten Univ.-Prof. Dr. Peter Ferenci vom AKH Wien anlässlich der 41. Jahrestagung der European Association for the Study of Liver Disease (EASL) in Wien im Rahmen zweier Vorträge vorgestellt worden. Dieser Kongress gehört weltweit zu den bedeutendsten Kongressen auf dem Gebiet der Hepatologie.(red)

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    Pamela Anderson - Sie outete sich im März 2002 als Hepatitis C Opfer

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