Kinderbücher: Das Lesen ist ein Fest

6. Mai 2006, 18:43
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Kunststaatssekretär will "Lesefieber" - Lesefest am 2. und 3. Mai - Verleihung der Kinder- und Jugendbuchpreise

Wien/Gleisdorf - "Ganz Österreich im Lesefieber", wünscht sich Kunststaatssekretär Franz Morak (V). Seit den ernüchternden PISA-Test-Ergebnissen werden besondere Anstrengungen unternommen, Kinder für die Lektüre zu begeistern. Mit einem landesweiten Lesefest am 2. und 3. Mai, der Vergabe des Österreichischen Staatspreises für Kinderlyrik am 2. Mai in Wien und der Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreise am 4. Mai im steirischen Gleisdorf will man "Lust aufs Lesen machen": "Das Lesefest soll dazu beitragen, die Kinder- und Jugendbuchliteratur verstärkt in den Blickpunkt zu rücken", so Morak.

Den mit 7.300 Euro dotierten und alle zwei Jahre vergebenen Lyrikpreis erhält Heinz Janisch für sein gesamtes bisheriges lyrisches Werk. Die weiteren Auszeichnungen gehen an "Jenny, sieben" von Lilly Axster und Christine Aebi (de'A Publishing, Kinderbuch), "Der Kajütenjunge des Apothekers" von Rachel van Kooij (Jungbrunnen, Jugendbuch) und "Warum ist das Licht so schnell hell?" von Elke Krasny, Sybille Hein und Moidi Kretschmann (NP Buchverlag, Sachbuch). Die Auszeichnungen sind mit je 6.000 Euro dotiert. Erstmals wird eine Jugendjury aus diesen Titeln sowie jenen der Kollektion auch einen eigenen Preisträger küren.

Das "Lesefest" am 2. und 3. Mai widmet sich bei Lesungen und Workshops in Schulen, Buchhandlungen und Literaturhäusern in allen neun Bundesländern der jungen Literatur. Insgesamt gibt es 31 Veranstaltungen an 22 Orten.

Kinder- und Jugendbuch - ein beachtlicher Markt

Jährlich erscheinen im deutschen Sprachraum rund 5.000 Neuerscheinungen im Segment Kinder- und Jugendbuch, Tendenz steigend. In Österreich machen Kinder- und Jugendbücher rund zwölf Prozent am Gesamtumsatz mit Büchern aus. Bei der Anzahl der Neuerscheinungen österreichischer Verlage hatten Kinder- und Jugendbücher mit 343 Titeln im Vorjahr einen Anteil von rund sechs Prozent. In Deutschland hatte das Kinder- und Jugendbuch laut "Buchreport" einen Marktanteil von zuletzt (März 2006) 9,2 Prozent.

Dass etwa in Deutschland der Umsatz zuletzt stärker wuchs als in der Gesamtbranche (um 3,6 Prozent statt um 1,9 Prozent im Gesamten), liegt nicht nur an den Mega-Sellern von Autorinnen wie Joanne Rowling ("Harry Potter") oder Cornelia Funke ("Tintenblut"). Auch bei den Sondereditionen großer deutscher Zeitungen wurden Kinder- und Jugendbücher seit dem Vorjahr zu Rennern. "Der Tagesspiegel" brachte zwölf Bände mit Kindermärchen von Aschenputtel bis Pinocchio, "Die Zeit" publizierte eine 15-bändige Kinder-Edition, die "Süddeutsche Zeitung" konnte 2005 von ihrer "Jungen Bibliothek" rund 1,8 Millionen Exemplare verkaufen. Gruner & Jahr meldete eine Million verkaufte Kinder- und Jugendbuchklassiker aus der "GEOLino Bibliothek", und auch die Zeitschrift "Eltern" meldete über 300.000 Verkäufe aus ihrer Hörbuch Edition "Abenteuer hören".

Wie wichtig die Einbeziehung anderer Medien in die Leseerziehung ist, belegt auch die jüngste "Ravensburger Jugend-Medienstudie" über das Freizeitverhalten von Fünf- und Sechsjährigen: Über 80 Prozent aller Kinder sehen regelmäßig fern, ebenso viele lassen sich Bücher vorlesen oder schauen selbst Bilderbücher an. Bei der Frage nach ihrem Lieblingsmedium liegt das Buch (Buben 22,5 Prozent, Mädchen 13,6 Prozent) deutlich hinter dem Fernsehen (Buben 42,5 Prozent, Mädchen 47,4 Prozent), aber auch hinter Hörmedien wie z. B. Märchenkassetten (Buben 20 Prozent, Mädchen 31,6 Prozent). (APA)

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    foto: lesefest
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