Die Zukunft sei pannenfrei

Redaktion
10. April 2007, 23:38

Audi hat mit dem Thema Elektronik viel weniger Probleme als manche Konkurrenten - Warum dies so ist, zeigt ein Blick hinter die Kulissen

Der Mann vom Werksschutz schaut grimmig drein. Er muss das von Berufs wegen. Besonders jetzt, wo Journalisten ungeniert in ein Audi-Heiligtum in Ingolstadt vordringen: ins 2003 bezogene Elektronikcenter. Wir befinden uns im "Kamm". Heißt so, weil einzelne Baukompartimente nach vor wachsen, in denen auf verschiedenen Ebenen Experten zum fruchtbaren Ideenwettbewerb und -austausch animiert werden. 750 Mitarbeiter sorgen in dem siebenstöckigen, terrassenförmigen Komplex (12.000 m² Büro-, 9000 m² Werkstatt-, Labor-, Prüfstandflächen) dafür, dass die immer komplexere Autoelektronik wenigstens halbwegs funktioniert, boshaft gesagt.

Dabei ist Audi Spätstarter, erst vor wenigen Jahren wurde das Thema Elektronik zur Kernkompetenz geadelt, und was die Ingenieure bisher zustande brachten, kulminiert, übertrieben dargestellt, in zwei Punkten: 1.) MMI. Derzeit wohl bestes elektronisches Bediensystem der Welt. Und 2.) hat Audi einfach weniger Probleme mit der Elektronik als viele Konkurrenten.

Immer komplexer

Mechanik wird immer einfacher, Elektronik immer komplexer. Wie komplex sie im Auto wirklich geworden ist, untermauern schlichte Zahlen: 90 Prozent aller Auto-Innovationen stammen heute aus diesem Bereich. Längst fahren wir alle rollende Computer. Laut Audi fand der verflossene A6 (bis 2004) mit drei Megabyte Speicherbedarf für die Software sein Auslangen. Ein aktueller A4 veranschlagt 13 Megabyte, ein A8 gleich 90.

Schlüsselaufgabe ist nach alarmierenden Pannenstatistiken jene, das alles mit Anstand beherrschen zu können. So werden im Elektronikcenter automatisierte Software-Stabilitätstests durchgeführt, "in the Loop"-Funktionsprüfungen und Simulationen, die rund um die Uhr Stabilität und Zusammenwirken aller Elektroniken und vernetzten Systeme erkunden. Bringt "deutliche Zeit- und Kostenersparnis gegenüber Tests am realen Fahrzeug bei gleicher Aussagekraft". Die "Fehlerabstellzeit" sei so von mehreren Monaten auf wenige Tage verkürzt worden. Na bitte.

Techniktrendscout

Noch ein spannender Aspekt: AEV. Audi Electronics Venture. Gegründet 2001, 40 Mitarbeiter, Sitz Palo Alto, Kalifornien. Techniktrendscout sowie "Kooperations- und Andockstation für Hightech-Unternehmen" im Silicon Valley. Die Zukunft sei wolkenlos. Also pannenfrei. (Andreas Stockinger, AUTOMOBIL)

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1 Posting
"Techniktrendscout"

Hab auch solche schoenen Woerter auf Lager:

Mein liebstes Vehikel heisst "Vorsprungsmaschine", mit Almradantrieb und Servuslenkung (mein Ur-Quattro, Bj. 1981). Hinsichtlich Elektronik ein Minimalist, aber ein Meilenstein in der Fortbewegungsgeschichte.

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