Mit Harnstoff gegen Stickoxide

10. April 2007, 20:43
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Wenig Aufwand, große Wirkung: Das SCR-Verfahren zur Abgasreinigung ist seit langem bekannt - Doch erst jetzt boomt die Technologie

Nachdem die EU beschlossen hat, die Einführung der Abgasnorm Euro 5 für Lkw auf 2006 vorzuziehen, platzte eine kleine Bombe: Mercedes zauberte eine Technologie (BlueTec) scheinbar aus dem Ärmel, die es ohne gigantischen Aufwand ermöglicht, sowohl den Stickoxid- als auch den Partikelausstoß extrem zu verringern - ohne nennenswerte Erhöhung des Verbrauchs.

Das Geheimnis: wässriger Ammoniak (Harnstoff, NH3) wird in geringen Mengen in die heißen Motorabgase eingespritzt, und dieser reagiert mit dem Stickoxid, so dass schlussendlich reiner Stickstoff und Wasserdampf den Auspuff verlassen. Dieser Zusatzstoff heißt AdBlue und wird beispielsweise von der OMV bereits europaweit flächendeckend vertrieben. Mercedes hat damit seinen Marktanteil bei Lkw schlagartig in die Höhe getrieben, denn die Frächter kauften vorzugsweise die neueste und damit zukunftssichere Technologie.

Schon lange bekannt

Dabei ist dieses so genannte SCR-Verfahren (Selective Catalytic Reduction) aus der Industrie zur Abgasreinigung schon lange bekannt. Es funktioniert zuverlässig, während andere Verfahren zur Stickoxidreduktion (z. B. Speicherkat von Toyota) in der Vergangenheit immer wieder Probleme bereiteten. Für den mobilen Einsatz zögerte man allerdings so lange, bis die Abgasvorschriften entsprechend verschärft wurden.

Wichtiger Punkt für die Entwicklung war für Mercedes sicher auch die Tatsache, dass man gerne den Diesel-Pkw auf dem US-Markt salonfähig machen möchte. Und das geht nur mit höchst entwickelter Abgasreinigung, weil es dort für Dieselfahrzeuge keine milderen Stickoxidgrenzwerte gibt wie in Europa. Für Kalifornien etwa muss man alles draufpacken, was es an Abgasreinigungstechnik heute gibt.

Einfach übertragbar

Das heißt, die SCR-Technik ist durchaus auch auf den Pkw übertragbar. Das Handling mit der zusätzlichen Flüssigkeit (AdBlue) ist dabei denkbar einfach. Der Behälter passt problemlos in die Reserveradmulde, und die Reichweite beträgt rund 17.000 Kilometer, weit genug also, dass man den Behälter nur beim Service alle 15.000 Kilometer nachtanken muss. (Rudolf Skarics, AUTOMOBIL)

  • SCR-Technologie im Überblick.
    grafik: omv

    SCR-Technologie im Überblick.

  • SCR-Verfahren: Schmatischer Ablauf.
    grafik: omv

    SCR-Verfahren: Schmatischer Ablauf.

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