"Authentische Lösung nicht verpassen"

  • Zur Person: 
Burkhard Göschel (60), Mitglied des Vorstands der BMW AG, Entwicklung und Einkauf (seit März 2000)
    foto: bmw

    Zur Person:
    Burkhard Göschel (60), Mitglied des Vorstands der BMW AG, Entwicklung und Einkauf (seit März 2000)

Globale Netzwerke, Diesel in den USA, Hybrid, Wasserstoff, neue Konzepte: BMW-Vorstand Burkhard Göschel im STANDARD-Interview

STANDARD: Warum geht BMW auf der Suche nach aktuellsten Trends bis nach Tokio, Palo Alto, bald auch Singapur?

Göschel: Wir gehen überall dorthin, wo erfolgreich Zukunft gedacht wird. Wir verfolgen dabei eine Strategie der globalen Netzwerke und Stützpunkte, wobei allerdings zunehmend Partner aus nicht automotiven Bereichen hinzukommen.

STANDARD: Worum geht's demnach in Silicon Valley?

Göschel: Vor allem um Materialforschung, Leichtbau, Bedienungsanwendungen.

STANDARD: Diesel wird angesichts der Spritpreise offenbar doch ein Thema für die USA. Wann und wie steigt BMW ein?

Göschel: Wir setzen auf die 50-Staaten-Lösung: flächendeckend. Das geht wegen strenger Abgasgesetzgebung nur mit zusätzlicher Harnstoff-Einspritzung. Die Technologie sollte in Bälde (Anm.: bis spätestens 2008) zur Verfügung stehen. Experten rechnen bis 2015 mit bis zu 15 Prozent Dieselmarktanteil in USA. Zumal nun auch die US-Administration das Thema forciert.

STANDARD: Am Genfer Salon präsentierte BMW einen 6-Zylinder-Benziner mit zwei Turboladern - ein Paradigmenwechsel weg vom "saugerlastigen" Motorenbauer?

Göschel: Die Kombination von Aufladung, Benzindirekteinspritzung und neuen Materialien im Turbobereich bringt entscheidende Vorteile. Bei Downsizing (dadurch weniger Gewicht, weniger Verbrauch) und Literleistung. Wir kommen damit auf 100 kW pro Liter Hubraum. Da steckt enormes Potenzial drin! Der Sauger stirbt aber nicht gleich aus.

STANDARD: Zukunft der Mobilität: Welche Szenarien hält BMW für welche zeitliche Perspektive realisierbar? Stichworte Hybrid, Wasserstoff.

Göschel: Bei Hybrid arbeitet BMW im Schulterschluss mit GM und DaimlerChrysler. Entwicklungs- & Produktionskosten bleiben so überschaubar. Unsere Hybrid-Strategie: Einfach mehr Hightech-Masse draufzupappen, wie bisher üblich, ist eher peinlich, für sinnvoll halten wir vor allem die Bremsenergie-Rückgewinnung. BMW strebt Lösungen an, die kosten- und gewichtsmäßig vertretbar sind. Außerdem besteht Gefahr, Hybrid nur zur Leistungssteigerung herzunehmen: auch falsch. Und im Spannungsfeld Kosten/Gewicht/Spritverbrauch: Es ist besser, statt 15 Prozent Minderverbrauch in teuren Autos "nur" acht Prozent zu realisieren, die aber in Masse.

STANDARD: Und Wasserstoff?

Göschel: So um 2025 dürfte das Thema relevant werden, fünf bis zehn Prozent der Autos sollten dann mit Wasserstoff fahren. Wir setzen auf Verbrennungsmotoren, aber auch die Brennstoffzelle hat bestimmt einiges Potenzial.

STANDARD: Welchen Fahrzeugtypen und -kategorien gibt BMW eine Zukunft?

Göschel: Wir arbeiten bekanntlich an kompletten Neuentwicklungen. Crossover birgt aber auch Gefahren: Man muss schon genau aufpassen, sonst verpasst man die authentische Lösung. Und: Die klassische Limousine ist noch längst nicht zum Aussterben verurteilt. Hier gibt es starke regionale Unterschiede. Große Limousinen verkaufen sich etwa in USA, China fabelhaft.

Das Gespräch führte Andreas Stockinger.
Share if you care
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.