Franco Marini - zäher Gewerkschaftschef mit Vermittlertalent

1. Juni 2006, 15:31
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Giulio Andreotti war Ziehvater des neuen Senatspräsidenten

Rom - Ein Christdemokrat aus Leib und Seele ist der 73-jährige Franco Marini, der am Samstag zum neuen italienischen Senatspräsidenten gewählt worden ist. Der Spitzenpolitiker der gemäßigten Sammelbewegung "Margherita" setzte sich am Samstag gegen seinen Meister durch, den siebenmaligen Regierungschef und Senator auf Lebenszeit, Giulio Andreotti.

Ein halbes Jahrhundert hat Marini in den Reihen der katholischen Gewerkschaftsorganisation CISL, der Democrazia Cristiana und der Nachfolgepartei PPI verbracht. Hartnäckigkeit und Vermittlertalent sind die Haupteigenschaften des in der bergigen Region Abruzzen geborenen Politikers, der gern im Apenningebirge wandert und Pfeife raucht. Der in der Nähe der Stadt L'Aquila als Sohn eines Arbeiters geborene Marini wuchs mit sechs Geschwistern in ärmeren Verhältnissen auf.

Gewerkschaft

Nach dem Jus-Studium trat er dem Gewerkschaftsverband CISL bei. 1985 rückte er zum Vorsitzenden der CISL auf. Sechs Jahre lang führte er Italiens zweitstärksten Gewerkschaftsverband. Unter seiner Leitung einigten sich die Gewerkschaften mit dem Arbeitgeberverband Confindustria über ein Abkommen zur inflationsabhängigen Lohnerhöhungen. Seit 1983 hatten sich die Tarifpartner nicht über eine Reform des Systems der "Scala Mobile" einigen können, mit der Löhne automatisch entsprechend der Inflationsrate erhöht wurden.

1991 beendete Marini seine Karriere als Gewerkschaftschef mit einem Sprung in die Politik. In diesem Jahr trat er der letzten Regierung unter Andreotti bei, mit er sich seit gestern, Freitag, im Senat duelliert hat. In der christdemokratischen Regierung übernahm er den Posten des Arbeitsministers. Nach dem Sturz Andreottis wurde Marini 1992 in den Reihen der Traditionspartei Democrazia Cristiana zum Abgeordneten gewählt. Die Parlamentswahlen erwiesen sich für ihn als Triumph. Marini wurde zum meist gewählten Christdemokraten Italiens.

Korruptionsskandale

1993 wurde die von unzähligen Korruptionsskandalen erschütterte Democrazia Cristiana aufgelöst. Mehrere christdemokratische Parteien entstanden aus der Asche der mächtigen DC: Marini gründete die Volkspartei (PPI), die sich an den Werten des Priesters und Politikers Luigi Sturzo orientierte. Ziel Marinis war es, aus der Volkspartei die führende Kraft in der Mitte des italienischen Parteienspektrums zu machen. 1997 rückte er zum Chef der Volkspartei auf, die inzwischen dem Mitte-Links-Bündnis "Ulivo" um Romano Prodi beigetreten war. Zwei Jahre später wurde er zum Europa-Parlamentarier gewählt.

Als sich im Jahr 2000 die Volkspartei in der gemäßigten Sammelbewegung "Margherita" auflöste, arbeitete Marini unermüdlich für eine Zurückdrängung des Einflusses der Altkommunisten (Rifondazione Comunista) von Fausto Bertinotti auf die Politik der Mitte-Links-Allianz. Mit seinem Parteikollegen und Ex-Regierungschef Ciriaco De Mita steht Marini an der Spitze des gemäßigteren Flügels der "Margherita". Dieser kämpft für einen stärkeren Einsatz für die sozialen Probleme des Landes. (APA)

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    Der 73-jährige Franco Marini wurde am Samstag, den 29. April 2006, zum neuen italienischen Senatspräsidenten gewählt.

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