40.000 Zwangsprostituierte erwartet

1. Juni 2006, 16:02
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EU-Maßnahmen zur Fußball-WM - Menschenhandel in Österreich

Brüssel - Dass Frauen im Umfeld von sportlichen Großereignissen zur Prostitution gezwungen werden, ist bekannt. Dass sich die EU dieses Themas wirklich annimmt, ist neu. Die derzeitige EU-Ratsvorsitzende, Österreichs Innenministerin Liese Prokop, kündigte nach einem Ministertreffen an, es werde im Umfeld der Fußball-WM in Deutschland Informationskampagnen, eine Hotline und Polizistenaustausch geben. Schweden will 20 Polizisten nach Deutschland entsenden.

Am 26. und 27. Juni wird in Brüssel eine Expertenkonferenz zu dem Thema stattfinden, bei der Rückschlüsse für künftige Großereignisse in Europa gezogen werden sollen.

Die EU-Statistikbehörde Eurostat schätzt, dass rund 40.000 Frauen während der WM nach Deutschland verschleppt werden. Wie der schwedische Justizminister Thomas Bodström am Rande einer EU-Ministersitzung sagte, würden derzeit vor allem Zwangsprostituierte aus Bulgarien in die Bundesrepublik gebracht.

Österreich ist auch keine Insel der Seligen. Nach Einschätzungen des Chefs von Europol, Max-Peter Ratzel, gehört Österreich neben Belgien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, den Niederlanden, Spanien und Großbritannien zu den bevorzugten Zielländern für Menschenhändler in der EU. Insgesamt 271 Fälle wurden laut Angaben des Bundeskriminalamtes im Jahr 2004 in Österreich registriert.

Die SPÖ-Europaabgeordnete Christa Prets forderte, die österreichische Ratspräsidentschaft unter Bundeskanzler Wolfgang Schüssel solle "den EU-Aktionsplan zum Menschen-, Frauen- und Kinderhandel umsetzen, statt nur zu reden". Erklärtes Ziel war es, während der Präsidentschaft noch die Weichen für die Umsetzung zu stellen.

Mit dem Thema Menschenhandel beschäftigt sich in Wien am Samstag auch eine internationale Konferenz der SIW (Socialist International Women), die internationale Strategien erarbeiten will. (DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.4., 1.5.2006)

Von Alexandra Föderl-Schmid aus
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