Stadt Wien gründet eine "Drogen-GmbH"

1. Juni 2006, 16:19
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Die Suchthilfe übersiedelt aus dem Fonds Soziales Wien zum Psychosozialen Dienst

Wien - Der Fonds Soziales Wien gibt überraschenderweise den Fachbereich Sucht und Drogen ab: die Drogenkoordination samt Leiter Michael Dressel wird in den Psychosozialen Dienst (PSD) übersiedeln und dort voraussichtlich als Gesellschaft mit beschränkter Haftung neu gegründet. Das bestätigte am Freitag Stefan Hirsch, der Sprecher der zuständigen Stadträtin Renate Brauner, auf Anfrage des STANDARD.

Alkohol integriert

Der Fachbereich wird um Alkohol und um nichtsubstanzgebundene Suchterkrankungen erweitert. "Fast jede Abhängigkeit ist mit psychischen Problemen verbunden, oft sind diese auch der Grund dafür, dass jemand legale oder illegale Drogen nimmt. Und dafür ist der PSD die kongeniale Organisation", betont Hirsch. Man hoffe auf große Synergie-Effekte.

Für die betroffenen Mitarbeiter werde sich nichts ändern, alle hätten in den vergangenen Tage ein entsprechendes Übernahmeangebot zugeschickt bekommen. Auch die Förderungen für den Drogenbereich blieben gleich. Im Vorjahr investierte die Stadt knapp mehr als 13 Millionen Euro. Zum Vergleich: der Fonds Soziales Wien verwaltet jährlich eine Dreiviertelmilliarde Euro und ist zuständig für 300 Einrichtungen mit rund 15.000 Beschäftigten.

Drogenkoordinator Michael Dressel und Fonds-Chef Peter Hacker (der auch Dressels Vorgänger war) sollen dem Vernehmen nach nicht unglücklich über die künftig getrennten Wege sein. Die beiden waren zuletzt nicht immer einer Meinung.

Der Konsum von Suchtmitteln ist in Wien seit Jahren stabil: Jeder Zehnte trinkt jeden Tag Alkohol, jeder Dritte zündet sich täglich eine Zigarette an. In einer IFES-Umfrage (600 Interviews) gestanden 17 Prozent, schon einmal gekifft zu haben (in der Altersstufe bis 30 ein Drittel). Rund zwei von 100 haben schon Erfahrungen mit Ecstasy, Speed oder Kokain gemacht, ebenso viele mit Heroin. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe, 29./30.4./1.5.2006)

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