Bolzende Promis und rasende Normalos

1. Mai 2006, 12:03
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"Gumball 3000" zelebriert am 1. Mai den Tag des Tempos, am 2. Mai startet dann die alltägliche Raserei auf der Tauernautobahn

Wien - Über tausend Kilometer für ein Frühstück nach Wien zu fahren ist extravagant - und eine ziemliche Umweltbelastung. Die Teilnehmer von "Gumball 3000", einer "Rallye", bei der heuer auf drei Kontinenten je 1000 Meilen zurückgelegt werden, werden genau diese Aufgabe dennoch meistern. Bis ein Uhr morgens wird am 1. Mai in einem belgischen Schloss nahe Brüssel gefeiert, um sechs Uhr wollen die ersten dann schon im Kursalon Hübner am Stadtpark frühstücken. Bis zehn Uhr kann man dort auch Promis samt ihren Gefährten - und ihren Gefährten - beobachten.

Terminlich haben die "Gumballer" ihre Fahrt quer durch Österreich natürlich schlecht abgestimmt - denn am 2. Mai hätten sie mit etwas Glück schon legal ordentlich aufs Gas steigen dürfen. Wird ab dann doch für zwei Monate "Tempo 160" auf zweimal zwölf Kilometern der Tauernautobahn zwischen Spittal-Ost und Paternion (und die Gegenrichtung) getestet.

Verordnung in letzter Minute

Endgültig besiegelt wurde der Versuch am Freitag in letzter Minute: Verkehrsminister Hubert Gorbach (BZÖ) unterzeichnete in seinem Büro am Minoritenplatz die Verordnung, mit der die Höchstgeschwindigkeit auf dem Streckenabschnitt auf 160 Stundenkilometer erhöht werden darf - bis zum 30. Juni kann das Tempolimit zwischen 5 und 22 Uhr an Verkehrsdichte und Witterungsverhältnisse "angepasst" werden.

Die Argumente von Umweltschützern, die höhere Schadstoff- und Lärmbelastung durch höheres Tempo befürchten, konnten Gorbach nicht überzeugen. Ebenso wenig die Verkehrssicherheitsbedenken: Durch längere Bremswege und größere Geschwindigkeitsunterschiede der Verkehrsteilnehmer befürchten manche ein höheres Unfallrisiko.

Keine Freude mit 160

All diesen Einwänden entgegnet man im Ministerium, genau darum gehe es ja bei dem Pilotversuch: Man wolle Daten gewinnen, wie sich ein flexibilisiertes Tempo auf den Autobahnen auswirkt. Diese will man daraufhin auswerten und erst dann weiter entscheiden. Und überhaupt: Er habe mit dem Schlagwort "Tempo 160" gar keine Freude, betonte der Verkehrsminister erst zu Wochenbeginn. Viel wichtiger sei ihm die "Flexibilisierung der Geschwindigkeit" - schließlich könne bei schlechtem Wetter das Tempo auch deutlich reduziert werden.

Im Internet liegen die Wertigkeiten des Ressorts dann offensichtlich doch anders: Die vom Verkehrsministerium eingerichtete Seite zum einschlägigen Thema trägt schließlich den Titel "Tempo 160". Das Projektmanagement für die Webseite übernahm übrigens ein privates Beratungsunternehmen - wirklich ausgewogen sind die Informationen daher naturgemäß nicht. Dafür erfährt man, warum die Teststrecke in Kärnten liegt: "Aufgrund der Kooperationsbereitschaft und der visionären Begeisterung des Landes Kärnten . . ." wurde die A10 ausgewählt.

Begeisterung für "Vision" und "Idee" Gorbachs findet sich dann auch überwiegend im Gästebuch der Seite. User "redcar" stellt dort unter anderem fest: "Trotz aller niveauloser Kritik ist Hubsi hart geblieben und hat diese Vision konsequent vorangetrieben." (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 29./30.4./1.5.)

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    foto: standard/newald
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