Hatte Mozart einen Vogel?

2. Juni 2006, 21:23
1 Posting

Ihre Fragen zu W.A.M. - Kurt Palm antwortet

Reinhold Wirlitsch möchte wissen, ob Mozart einen Vogel hatte.



* * *


Die Antwort lautet in beiden Fällen: Ja. Dass Mozart einen ziemlich großen Vogel hatte, er also im wahrsten Sinn des Wortes "ver-rückt" war, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist hingegen, dass sich unser aller Wolferl zeit seines Lebens auch mit leibhaftigen Vögeln umgab. Schlecht gereimt könnte man sagen: "Von der Wiege bis zur Bahre: Stare." Angefangen hat Wolfgangs Liebe zum Federvieh bereits in frühester Kindheit, als sich die Familie Mozart in ihrer Wohnung in der Getreidegasse in Salzburg diverse Vögel hielt. Dabei handelte es sich sowohl um Kanarienvögel, als auch um heimische Singvögel.

Während man die Kanarienvögel, die aus Tirol (Imst!) oder Italien stammten, bei Vogelhändlern kaufte, fing man die Singvögel entweder selbst oder beauftragte professionelle Vogelfänger mit der Besorgung derselben. Auf diese Weise erfreuten neben Kanarienvögeln auch Meisen, Rotkehlchen und Grasmücken (ja, das ist eine heimische Vogelart) die Familie Mozart mit ihrem Gesang.

Als Mozart in Wien lebte, schaffte er sich spätestens am 27. Mai 1784 einen Vogel an. In sein Ausgabenbuch notierte er an diesem Tag: "Vogel Stahrl 34 Kreuzer." Dieser Star muss sehr musikalisch gewesen sein, denn aus einem weiteren Eintrag Mozarts geht hervor, dass der Vogel sogar das Rondo-Thema des 3. Satzes aus dem G-Dur-Klavierkonzert (KV 453) pfeifen konnte. Also ein "Star" in jeder Hinsicht. Während Mozart über den Tod seines Vaters Ende Mai 1787 kaum ein Wort verlor, widmete er dem zur gleichen Zeit verstorbenen "Vogel Star" einen langen Nachruf. Gerade im Freud-Jahr 2006 keine uninteressante Episode. Stichwort "Ersatzhandlung".

Der letzte Vogel, den Mozart besaß, war wieder ein Kanarienvogel, dessen Gesang ihm kurz vor seinem Tod aber derart auf die Nerven ging, dass er ihn aus dem Sterbezimmer entfernen ließ. Auch wenn es viele nicht gern lesen werden, aber Mozart hat Singvögel nicht nur im Käfig gehalten, sondern diese auch gegessen. Natürlich nicht die eigenen Lieblinge, sondern jene Exemplare, die er entweder am Markt kaufte oder selbst mit der Büchse erlegte. (DER STANDARD, Printausgabe vom 29./30.4/1.5.2006)

  • Artikelbild
    montage: der standard
Share if you care.