Behutsam in der Wortwahl sein

3. Jänner 2008, 13:26
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Politische Korrektheit sollte selbstverständlich sein. Doch übertriebene moralinsaure Formulierungen nerven

Sinti, Roma, Jenische, Lowara ... wollen nicht mehr "Zigeuner" genannt werden. Das gleiche gilt für die Inuit, die keine "Eskimos" sind. Redewendungen dieser Art, die ein Volk denunzieren, sind in einer multikulturellen Welt wenig hilfreich.

Natürlich gibt es in der Literatur noch viele Relikte: So wurden Worte verwendet, die aus heutiger Sicht wertend klingen, damals jedoch keineswegs abfällig verwendet wurden. Auch in der Kulinarik gibt es noch jede Menge politisch unkorrekte Bezeichnungen. Wenig sinnvoll ist es aber aus "Mohr im Hemd" den "Afrikaner mit Schlagobers" zu machen. Die Befürworter der sprachlichen Korrektheit müssen sich natürlich auch jede Menge Kritik und Spott gefallen lassen.

In der Wirtschaft findet sich die martialische Wortwahl immer häufiger. Wie kriegerisch die Formulierungen auch sind, zumindest einen Zweck erfüllen sie: Bilder werden transportiert. Optimal ist natürlich, wenn die bildhafte Sprache nicht nur aus Kriegsvokabeln und Schlachtrufen besteht - z. B.: "Die Grabenkämpfe zwischen den Firmenfronten verhärten sich", "Er ist ins feindliche Lager übergelaufen und arbeitet nun bei der Konkurrenz." Bei Worten wie "Zielscheibe", "Dolchstoß" oder "Kanonenfutter" sind die martialischen Wurzeln deutlich.

Die hohe Zahl an "Wortfunden" zeigt die Verwurzelung unserer Sprache in der historischen, aber auch in der modernen Wehrkultur. "Etwas im Schilde führen" oder "für jemanden eine Lanze brechen" sind Zeugen von bis ins Mittelalter zurückreichender Ausdrücke. (Der Standard, Printausgabe 29./30.4/1.5.2006)

Tatjana Lackner*

Nächste Woche: Wege aus der Ich-Falle

In der "Rede-Diät" von *Tatjana Lackner und Nika Triebe lesen Sie Tipps, wie Sie lernen, mehr auf Ihre Wortwahl zu achten.
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